„Soll ich‘s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?“ Die Frage, ob man zum Studieren wegziehen sollte, bringt jedes Jahr viele Abiturienten an den Rand des Wahnsinns. Fakt ist, für beides gibt es gute Argumente. Wer zuhause studiert, bleibt bei seinen Freunden und in der vertrauten Umgebung, wer wegzieht, den könnte die aufregendste Zeit seines Lebens erwarten – ob dem so ist, dafür gibt es allerdings keine Garantie. Schauen wir uns die Vor- und Nachteile einmal genauer an.

Der Sprung ins Ungewisse – das Abenteuer beginnt

Fangen wir vorne an – bei der Wahl des Studienortes. Denn hier haben wir schon den ersten großen Vorteil gegenüber den „Zuhausebleibern“: Bist du bereit auch jenseits deines Heimatortes zu studieren, kannst du aus der vollen Bandbreite deutscher Universitäten – und Städten, auswählen. Nimm dir die Freiheit und studiere nicht BWL in deiner Heimatstadt, weil Tiermedizin dort nicht angeboten wird. Die Bereitschaft die Koffer zu packen und in die Welt zu ziehen, bringt dich deinem Traumberuf ein Stückchen näher.

Doch nicht nur Universität und Studiengang zählen bei der Entscheidung, zum Studieren wegzuziehen. So sind es auch die Städte und Regionen selbst, die jedes Jahr viele Studenten anlocken. Besonders große Anziehung hat das Abenteuer Großstadtdschungel. Berlin, Hamburg, Köln oder München stehen bestimmt nicht nur wegen der Universitäten auf dem Wunschzettel ganz oben. Ebenso sind Städte wie Göttingen, Tübingen oder Marburg unter den Studenten sehr beliebt. Warum? Gerade weil diese Städte nicht so groß sind, haben die Studenten hier das Gefühl „unter sich“ zu sein. Perfekt für die, die schnell neue Kontakte knüpfen wollen. Ob vom Land in die Stadt, von der Großstadt in die Kleinstadt oder von den Bergen ans Meer – du hast viele Möglichkeiten einen Tapetenwechsel zu erfahren.

Raus aus dem Nest – rein in die Freiheit

Natürlich haben wir die Zeit bei „Mutti“ genossen. Das Essen steht pünktlich auf dem Tisch, die Wäsche landet wie von Zauberhand sauber im Schrank und über den Unterschied von Kalt- und Warmmiete mussten wir uns auch noch keine Gedanken machen. Trotzdem: Der Umzug in die erste eigene Wohnung ist immer eine aufregende Erfahrung und ein wichtiger Schritt beim Erwachsenwerden. Bestimmt wirst du es als befreiend empfinden, keine Rechenschaft abgeben zu müssen und dein Leben anders und unabhängiger planen zu können. Du kannst nach Hause kommen, wann du willst, deine Wohnung einrichten, wie du willst, und essen, was du willst.Erstmals bist du auf dich allein gestellt und begegnest täglich neuen Herausforderungen.

Neue Umgebung – neue Freunde – neues Leben

Auch wenn bisher alles gut geklappt hat, mit einem Studium an einem fremden Ort startet für dich ein neues Leben. Vielleicht hast du ja schon länger etwas an dir selbst ändern wollen, wusstest aber nicht, wie deine Freunde reagieren würden – an einem neuen Ort kannst du von vorne beginnen und einfach du selbst sein. Du kannst Freundschaften knüpfen, ohne dich mit Vorurteilen herumzuärgern. Und was gibt es aufregenderes als neue Leute kennenzulernen, gemeinsam bestandene Prüfungen zu feiern und den Unialltag zu genießen?

Die Kehrseite der Medaille

Natürlich ist ein Umzug immer auch mit einem Risiko verbunden – finde ich wirklich „echte“ Freunde oder bin ich ganz allein in der fremden Stadt? Besonders schwer ist es am Anfang, man vermisst seine Freunde und Familie und hat nur wenige Leute, die einen ablenken. Vielleicht hast du ja auch ein Hobby, das du aufgeben musst – eines ist also klar, ein Umzug ist immer auch mit Verlusten verbunden.

Beziehungskiller Fernbeziehung

Besonders schwer haben es die glücklich Verliebten unter den Studenten, wenn die Traumuni nicht in der gleichen Stadt liegt – oder einer lieber eine Ausbildung zuhause macht. Einerseits, möchte man die Beziehung nicht gefährden, andererseits auch seine eigene Karriere verfolgen. Eine Fernbeziehung ist da oft die einzige Lösung. Die muss natürlich nicht immer in die Brüche gehen. Doch ein andauerndes Pendeln kann dazu führen, dass man vor Ort weniger Anschluss findet, da man die meisten Partys und Veranstaltungen verpasst. Hinzu kommt, dass Pendeln auf die Dauer ganz schön teuer werden kann – womit wir schon beim nächsten Punkt wären.

Kostenfalle Studium

Natürlich spielt auch der Faktor Geld eine große Rolle bei der Uni-Wahl. Denn klar ist, am günstigsten lebt es sich einfach zuhause. In der neuen Stadt brauchst du als Erstes eine Bleibe, je nachdem wo du studieren möchtest, ist die nicht immer ganz billig. Ganz besonders in sich haben es zum Beispiel die Mietpreise in München, Köln oder Hamburg. Haben deine Eltern nicht die Möglichkeit, dir dein Studium zu finanzieren, bist du also gefragt. BAföG oder ein Studienkredit müssen also her. Denn ein Nebenjob allein, reicht oft nicht aus.

Einfach ist ein Umzug in eine fremde Stadt also nie. Doch während manche sich scheinbar unbeschwert ins neue Abenteuer stürzen, fällt es anderen schwer loszulassen und sich auf einen neuen Ort und eine neues Leben einzulassen. Doch gerade hier macht eine Entscheidung FÜR einen Ortswechsel Sinn. Denn die Erfahrung, Herausforderungen allein zu meistern, stärkt dein Selbstbewusstsein und lässt dich auch zukünftig flexibler und unbeschwerter durchs Leben gehen. Und eins ist klar: Wahre Freundschaften gehen sowieso nicht durch einen Umzug in die Brüche.

Autorin: Sabine Zagar

Bildquelle: stokkete/Thinkstock

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