Wir sind immer und überall erreichbar – oft kann das auch nerven, wenn der Mann im Bus neben uns ins Telefon schreit, während einer Prüfung auf einmal eine Tasche durch den Saal vibriert oder während des Horrorfilms in stiller Sekunde plötzlich ‘Walking on sunshine’ ertönt. Was der Sonnenschein bei Freddy Krüger für dich ist, sind minütliche WhatsApp-Nachrichten während der Arbeitszeit für deinen Vorgesetzten. Nochmal kurz die Statusmeldungen bei Facebook checken, ist ja nichts Großes dabei. Ach, ein neues Instagram-Update! Oh, Hundebabys. Was Witziges bei 9gag – und schon ist wieder eine Viertelstunde rum. Natürlich kann man sich die Zeit im Praktikum so gut vertreiben. Ob das Surfen am Arbeitsplatz nur auf Hawaii erlaubt ist, das erklären wir dir hier.

Wat ist schon dabei, dat is prima!

Studien zufolge gehen bis zu 40 Minuten Arbeitszeit für Facebook und Co drauf. 40 Minuten die sich auf den ersten Blick lohnen – in zweierlei Hinsicht. Die Arbeit macht so Spaß und wird dabei auch noch bezahlt. Raucherpause gibt es schließlich auch, leider sind das für die meisten Chefs Äpfel und Birnen. Rauchen ist erlaubt, Surfen und Simsen sind verboten.

Auf frischer Tat ertappt

Wenn dann doch pausenlos das Handy piept, dann willst du doch endlich wissen, was die Freunde fürs Wochenende geplant haben, welche neuen Gerüchte es gibt und ob die Wohnung nicht vielleicht unter Wasser steht. Die Versuchung ist groß. Nur mal kurz ans Handy, kurz die Nachrichten checken. Im selben Moment kommt der Chef um die Ecke, sieht dich mit Smartphone in der Hand und zieht wieder von dannen. Schade, wenn die Nachricht dir jetzt nicht mitgeteilt hat, dass es sich um den Lottogewinn handelt. Jetzt kann leider alles passieren. Befindest du dich noch in der Probezeit deines Praktikums, kann dich der Chef entweder ermahnen oder dir aber den Laufpass geben. Sollte sie schon rum sein und du dich ansonsten ganz gut schlagen, dann sollte dich eine kurze SMS nicht direkt aus dem Betrieb werfen. Spätestens dann solltest du dich aber einer Entziehungskur unterziehen, um nicht noch ein zweites Mal erwischt zu werden. Hat dich der Chef bereits öfter dabei ertappt, wie du schon seit Stunden eine kleine Farm zum Großkonzern hochwirtschaftest anstatt die Firmenbilanzen zu überprüfen, dann war das womöglich dein letzter Tag im Praktikum.

Big brother is watching you

Darf dein Chef dich denn jetzt einfach so vor die Tür setzen? Schlicht und einfach: Ja. Wenn es einen triftigen Grund gibt, etwa deine Produktivität und Leistung stark abnimmt, dann ist das ein geeignetes Argument für das vorzeitige Ende deines Praktikums. Aber darf dein Vorgesetzter deine Internetaktivitäten überprüfen? Auch das darf er. Wenn er Smartphone und Internet grundsätzlich verbietet, dann steht sein Überwachungsrecht über deinem Gewohnheitsrecht der Nutzung. Er kann so deinen Browserverlauf überprüfen, um zu sehen auf welchen Seiten du dich neben chefgluecklichmachen.de noch so rum getrieben hast. Ist dagegen die Internetnutzung auch privat gestattet – in welchem Rahmen auch immer – dann steht dein Gewohnheitsrecht wieder über dem Überwachungsrecht und eine Kontrolle von Seiten der Chefetage wäre eine Verletzung der Privatsphäre. Allerdings gibt es auch hier eine Ausnahme, nämlich wenn er einen einschlägigen Verdacht hat, dass du strafrechtlich handelst, also beispielsweise die Verhältnismäßigkeit von privater Zeit und Arbeitszeit nicht mehr im Sinne des Unternehmens gegeben ist.

Das Handy des Arbeitnehmers ist unantastbar

Bisher sieht es also eher schlecht als recht aus mit der Smartphone- und Internetnutzung. Wenn der Chef ‚nein‘ sagt, bleibt es auch grundsätzlich eins. Aber ein Griff zum Handy ist zum Beispiel dann nicht verwerflich, wenn du kurz einen Arzttermin bestätigen musst oder dich vergewissern möchtest, dass zuhause alles mit rechten Dingen zugeht. Ein wirklich grundsätzliches Kontakt- und Informationsverbot kann dein Chef nicht aussprechen. Allerdings musst du dich auf das Nötigste beschränken, wenn du zum Handy greifst – keine Katzenbabys, keine Musikvideos, keine privaten Mails, die nicht dringend beantwortet werden müssen.

Tausche fünf Minuten Handy gegen 100 Prozent Arbeitsleistung

Am besten ist es, wenn du dich mit deinem Vorgesetzten absprichst, um Rahmenbedingungen zu verhandeln, sofern sie im Arbeitsvertrag nicht bereits schwarz auf weiß stehen. Dabei musst du dich aber darauf einstellen, dass er auch das letzte Wort im persönlichen Chat hat. Wie viel Zeit du also auf Facebook, Instagram und Twitter verbringen darfst oder ob er diese Seiten sogar sperrt, das liegt letztlich ganz bei ihm. Ein Gericht hat sogar gegen einen Arbeitnehmer entschieden, weil er sein Handy auf der Arbeit laden wollte. Damit es gar nicht erst zum großen und anstrengenden Gerichtsprozess kommt, spricht also alles für ein klärendes Gespräch im Vorhinein. Vielleicht wird der Chef auch Verständnis dafür haben, wenn man den Rechner während der Arbeit privat zum Surfen nutzt – entweder weil er die Droge Internet genauso braucht oder weil fast kaum ein Mitarbeiter acht Stunden am Stück durcharbeiten kann und wenn dann doch der Kollege zur Tür reinspaziert, ist es mit der Konzentration genauso schnell vorbei.

Unser Tipp: Bevor du dich langweilst und in Folge dessen mit Posts, Likes und Selfies dein Praktikum aufs Spiel setzt, erkundige dich doch lieber bei Kollegen oder deinem Betreuer wegen weiterer Aufgaben. Das macht einen positiven Eindruck und der sollte sich auch in deinem späteren Praktikumszeugnis wiederfinden.

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