Mit einem Praktikum im Zoo verbinden viele automatisch die Aufgaben des Tierpflegers, wie die Verpflegung der vielen heimischen aber auch exotischen Tiere – von Affen bis Zebras. Allerdings ist das nicht die einzige Möglichkeit, in die Zooarbeit hineinzuschauen: Das Berufsfeld Tiermanagement gehört ebenfalls dazu und bildet in der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen sogar eine eigene Abteilung. Sabine Haas arbeitet dort als Teamleiterin im Bereich Marketing und Kommunikation. Im Interview erzählt sie aus dem spannenden Zoo-Alltag und verrät uns, wie ein Praktikum in diesem Bereich aussieht.

Was genau kann man sich unter dem Bereich Tiermanagement vorstellen und welche Aufgaben müssen bewältigt werden?

img_9537Die Abteilung Tiermanagement besteht bei uns im Zoo aus dem Zoologischen Leiter, Biologen, einem Tierarzt und Kuratoren, die beispielsweise für bestimmte Tierarten zuständig sind. Die Aufgaben, die hier auf jeden zukommen, sind wirklich vielfältig. Eine davon ist die Zusammensetzung der Tiere: Welche Tiere werden wo gezeigt und welche Arten dürfen zusammenkommen? Zum Beispiel darf ein Schafbock nur zu bestimmten Zeiten zu seinen Frauen, während er seine restliche Zeit im Kloster verbringt. Sonst würde der Nachwuchs irgendwann die Anlage sprengen. Außerdem gehört zu den Aufgaben eines Tiermanagers auch der Kontakt zu anderen Zoos, der Erfahrungsaustausch bei neuem Anlagenbau und das Führen von Zuchtbüchern. Dort stehen Details zur Tierernährung drin, was bei einer Handaufzucht passiert und vieles mehr.

Wie sieht so ein typischer Praktikumstag im Bereich Tiermanagement aus?

Üblicherweise laufen die Zoologen morgens erst einmal durch den Zoo, denn sie müssen jedes Tier einmal am Tag sehen. Auch der direkte Kontakt zu den Tierpflegern ist dabei ganz wichtig. Die Pfleger können so berichten, ob irgendetwas Besonderes vorgefallen ist oder ein Tier sich anders verhält. Je nachdem was anliegt, ist der restliche Tagesablauf sehr unterschiedlich. Ob man eine Tierärztin bei einer Operation begleitet, Daten für die Zuchtbücher zusammenträgt oder Anfragen an andere Zoos stellt – jeder Tag ist sehr abwechslungsreich.

Das ist ja sicher kein Job für jedermann. Was für Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen sollte man für dieses Praktikum mitbringen? Eine Tierhaarallergie ist vermutlich nicht von Vorteil…

imgp5763Klar, man sollte keine Tierhaarallergie und auch keine Heu-Allergie haben, denn auch damit kommt man viel in Kontakt. Eigentlich sind Praktikanten im Tiermanagement immer Biologen oder Veterinäre. Man muss in der Lage sein, körperlich große Anforderungen durchzustehen. Häufig ist man acht Stunden auf den Beinen und rennt durch den Zoo. Dabei kann es auch mal dreckig werden, wenn zum Beispiel ein Tier transportiert wird. Es ist also nicht nur ein Schreibtischjob. Englischkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil, denn auch im Ausland muss man Kontakt mit anderen Zoos aufnehmen. Generell sollte man einfach Spaß an der Sache haben und Lust, etwas zu lernen.

Die ZOOM Erlebniswelt bietet ja auch Praktika in anderen Bereichen an. Können sie uns davon auch ein paar Details berichten?

Am beliebtesten ist das Tierpflegepraktikum. Für diese Stellen bekommen wir immer mehrere hundert Anfragen. So ein Praktikum ist auch Voraussetzung für die Ausbildung als Tierpfleger. Ein Schülerpraktikum im Zoo ist ebenfalls immer sehr gefragt. Dann bieten wir noch Praktika im Bereich Vertrieb, Marketing und Kommunikation sowie Veranstaltungsmanagement an. Ansonsten ist Tiermedizin auch ein relativ beliebter Bereich. Die Arbeit eines Zootierarztes ist ja auch besonders abwechslungsreich.

Gibt es eventuell Chancen auf eine spätere Festanstellung im Anschluss an das Praktikum?

Im Tiermanagement eher selten, was sehr schade ist. In Zoos gibt es meist eine sehr begrenzte Stellenanzahl und bei uns sind diese Stellen schon besetzt. Ein Praktikum kann also erstmal nur ein Hineinschnuppern sein. Es gibt aber auch Ausnahmen, eine Praktikantin wurde zum Beispiel für ein Jahr als Vertretung eingestellt. Im Bereich Tierpflege sieht es dagegen ein bisschen anders aus. Wenn einem ein Praktikant besonders gut war, ist der Übergang in eine Ausbildung möglich.

Sie haben ja vorhin schon erwähnt, dass Sie eher Studenten fachbezogener Studienrichtungen einstellen. Hat man denn auch als fachferner Student eine Chance?

imgp5797Grundsätzlich nehmen wir eher fachbezogene Studenten, weil wir so viele Anfragen bekommen und die nötigen Vorkenntnisse dann schon gewährleistet sind. Aber Design- oder Lehramtsstudenten können beispielsweise bei uns ihre Abschlussarbeit schreiben. Letztes Jahr hatten wir eine Designstudentin da, die Tücher mit Tiermustern entwickelt hat. Es gibt also viele Möglichkeiten, die man nicht zuallererst mit dem Zoo assoziiert.

Gibt es sonst noch etwas, dass Sie zukünftigen Praktikanten mit auf den Weg geben können?

Für die Praktikanten und auch für den Betrieb ist es im Praktikum am Wichtigsten, dass man wirklich in den Beruf hineinschnuppern kann. Man sollte immer fragen, fragen, fragen; nur so kann man viel lernen. Also habt kein Problem damit, den Leuten Löcher in den Bauch zu fragen und sie damit zu nerven, überall hineingucken zu wollen.

Das Gute an einem Praktikum im Zoo ist, dass es einfach total abwechslungsreich ist. Selbst wenn man beispielsweise ein Praktikum in der Tiermedizin macht, kann es sein, dass man einen Fernsehdreh mitbekommt oder andersherum im PR-Bereich mit dem Tiermanagement zusammenarbeiten muss.

Wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Beruf gekommen und was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrem Job?

Mein Weg war ganz verschlungen. Ich habe nach dem Abi erst eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin gemacht und habe dann in der Parasitologie in Köln gearbeitet. Dort habe ich festgestellt: Ich mag Parasiten. Darum habe ich ein Biologiestudium angefangen und mein Diplom in Parasitologie gemacht. Eigentlich wollte ich in die Tropenmedizin gehen, aber es gab nach meinem Abschluss nicht so viele Stellen, weil es in Deutschland nur zwei Tropeninstitute gibt.

asien_orangDurch Zufall habe ich auf einer Reise nach Australien den Direktor des Tierparks Bochum kennengelernt und wurde vom Zoo-Virus infiziert. Von der Tierpflege über Veranstaltungsplanung bis zum zoologischen Management habe ich dort die unterschiedlichsten Dinge gemacht. Weil mir die Pressearbeit besonders gut gefallen hat, habe ich eine Zusatzausbildung als Journalistin für betriebliche Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Nebenbei habe ich schon Zooführungen in Gelsenkirchen gemacht und bin danach auch fest hier in der Zoom Erlebniswelt übernommen worden.

Wir bedanken uns bei Sabine Haas für das spannende Interview. Zurzeit gibt es in der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen leider keine offenen Stellen. Wenn du gerade aber auf der Suche nach einem Praktikum bist und ein Herz für Tiere hast, könnten folgende Stellen dein Interesse wecken:

http://www.meinpraktikum.de/praktikum/wesser-gmbh/jobs/praktikum-umweltschutz-hilfsorganisationen-ferienjob-studentenjob-15

http://www.meinpraktikum.de/praktikum/welttierschutzgesellschaft/jobs/bundesfreiwilligendienst-bei-der-welttierschutzgesellschaft

Bildquelle Titelbild:©Nacho Such/Shutterstock

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