Die romantische Vorstellung, dass man als Praktikant beziehungsweise Angestellter einer Plattenfirma immer auf Tour oder auf Konzerten ist und viel Kontakt zu den Künstlern hat, müssen wir an dieser Stelle leider entkräften:„Wenn man hier ein Praktikum macht, wird man nicht jede Woche auf zig Konzerte fahren, das ist eher unrealistisch. Viele haben tatsächlich häufig eine verklärte Vorstellung vom Promo-Job. Wenn man das von außen mitkriegt, denkt man ganz schnell, dass die Promoleuten den ganzen Tag mit den Musikern abhängen und dicke sind mit Künstler XY, das ist aber eigentlich nicht unsere Arbeit. In der Promo hat man in erster Linie was mit der Presse zu tun, also das sind unsere Kontakte. Und der Künstler – um es jetzt mal ganz platt zu sagen – ist halt das Produkt das wir verkaufen… Wenn wir überhaupt mit irgendjemandem rumhängen, dann sind das die Journalisten, zu denen wir ein gutes Verhältnis pflegen müssen, damit die unser Produkt platzieren. Das unterscheidet sich aber von Plattenfirma zu Plattenfirma“.

Im Prinzip handelt es sich also eher um einen mehr oder weniger klassischen Büro- und Schreibtischjob, bei dem man hin und wieder ein wenig Ausgang hat. „Aber das ist natürlich auch Arbeit, das darf man nicht vergessen“, betont Dario. Praktikanten werden hier außerdem primär eingesetzt, um den Festangestellten den Rücken freizuhalten. Sie erledigen viele Fleißarbeiten wie etwa Pflege des Pressearchivs, Verschickungen koordinieren, Websitepflege, Übersetzungsarbeit. Wenn es sich aber mal anbietet und „wir mal ein Promoevent haben, beispielsweise ein Albumrelease von einer großen Band, organisieren wir eine Listingsession, zu der wir Pressevertreter aus ganz Europa einladen, die sich dann das Album anhören. Da helfen Praktikanten natürlich auch mal mit, ist ja auch ein cooles Erlebnis, man lernt andere Leute kennen und kriegt auch mit, wie so ein Event abläuft. Aber sonst ist man da jetzt nicht soviel auf Achse“, erzählt uns Nasrin.

Als ich nach den Modalitäten für eine erfolgreiche Einstellung bei Century Media frage, schießt es wie aus der Pistole: „Eine unfallfreie Bewerbung!“. Nach kurzem Gelächter, weil die Antwort so prompt kam, führt Nasrin weiter aus: „Also das sehen wir ganz traditionell. Das ist etwas, das für mich ganz ganz wichtig ist, denn eine Bewerbung ist eine Visitenkarte und der angehende Praktikant will ja in erster Linie was von uns. Wir wollen natürlich auch, dass der Praktikant hier ins Team passt, aber wenn ich ne Bewerbung auf den Tisch bekomme, wo Schreibfehler drin sind, dann hab ich sofort das Gefühl da denkt jemand: hier ist alles Rock’n’Roll, die sehen das bestimmt nicht so eng, ist alles total locker und easy. Wir müssen uns aber am Ende des Tages ein Produkt verkaufen und diese Firma muss sich natürlich auch wirtschaftlich rechnen. Das ist halt Arbeit. Keiner sagt, dass es nicht Spaß machen darf, aber das sind hier halt Arbeitsplätze, wo Leute dafür bezahlt werden, dass sie ihre Arbeit machen, genauso wie in jedem anderen Job eben auch“.

„Wenn ich hier einen Bewerber für eine Praktikumsstelle habe und frage ihn, wo er damit hinmöchte und er sagt, er möchte ‚irgendwas mit Medien machen ‘, dann geht bei mir sofort ne Klappe runter. Ein Bewerber sollte also schon eine gewisse Vorstellung davon haben, was ihm ein Praktikum hier bringt“.

Wenn jemand aber sagt er möchte dieses Praktikum machen, weil er sehen möchte, ob der Bereich Plattenfirma/Musikindustrie ein eventuelles Berufsfeld für ihn darstellt, dann ist das in Nasrins Augen zum Beispiel ein Supergrund: „Ja, dafür ist ein Praktikum gut! Wenn aber jemand hier hin kommt und sagt ‚ich möchte später Lehrer werden‘ oder sowas, dann hat man die Zeit hier eigentlich verschwendet, sowohl aus der Sicht des Bewerbers als auch aus unserer Sicht. Gerade in einem Bereich den soviele machen wollen gibt es sehr viel Auswahl und wir sind der Meinung, dass es einfach unfair wäre wenn es jemanden gibt, der das wirklich will, ihm den Platz wegzunehmen, indem da irgendjemand draufsitzt, der denkt es ist vielleicht mal ganz cool in ner Plattenfirma zu sitzen und vielleicht mal irgendeinen Promi kennenzulernen. Das ist einfach die falsche Intention“.

Wir wollten darüber hinaus wissen, ob es im Zusammenhang mit der Branche so etwas wie absolute No-gos in Bezug auf Bewerbung und Vorstellungsgespräch gibt. Auch hier gab es eine emotionsgeladene und ehrliche Antwort von Nasrin: „Was für uns ein No-go ist, sind Leute, die meinen, sie müssen uns beeindrucken, wen sie schon alles getroffen haben. Das ist für mich das Langweiligste, das ich mir vorstellen kann. Ernsthaft. Und auch die Frage ‚Wen hast du denn schon alles getroffen?‘ – da würde ich am liebsten sofort aufhören zu reden!“. Angeber, die primär aus Prestigegründen bei Century Media Records arbeiten wollen und nur rumprahlen sind hier also unerwünscht. Das andere No-go ist, wenn das Praktikum nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit angegangen wird: „Ein Praktikum ein ein Einstieg ins Berufsleben, diese Jobs sind hart umkämpft. Da muss man sich schon ein bisschen hervortun und zeigen, dass man das wirklich will und auch eine Idee haben, was man mit diesem Praktikum überhaupt anstellen möchte. Weil die Konkurrenz da draußen halt einfach nicht schläft.“

Muss man die Musik mögen oder auch selbst ein Instrument spielen? – Das habe ich mich außerdem gefragt und erfahren, dass man natürlich kein Instrument spielen können muss, aber dass man schon verstehen sollte, was man hier vermarktet: „Man sollte einen Hang zur Subkultur haben, Musikfan sein und eine gewisse Affinität zu gitarrenlastiger Musik sollte man mitbringen, sonst ist man hier echt verloren“. Gerade in der Promo ist dieser Aspekt sehr wichtig: Wie soll man sonst ein Produkt verkaufen, hinter dem man selbst nicht steht? Es kommt laut Nasrin aber auch auf den Bereich an, in dem man arbeitet: „wenn man beispielsweise ganz klassisch im Marketing/Sales-Bereich arbeitet, ist es nicht ganz so wichtig. Man arbeitet man ja nicht bei einem Metal/Indie-Label, weil man reich werden möchte, sondern weil man eine gewisse Leidenschaft zur Musik hat. Wir haben aber noch nie jemanden abgelehnt, nur weil er kein Metal hört. Es kommt wirklich drauf an, wie sich Leute hier verkaufen und ob sie Bock drauf haben. Man kann sich ja auch in alles reinfuchsen und sich mal ein paar Sachen anhören, quasi Geschichtsunterricht machen“.

Wir haben uns gedacht, dass Personaler ja immer lustige Geschichten über ihre Arbeit mit Praktikanten und Bewerbern zu berichten haben, genau so war es auch. Nasrin und Dario geben ein paar Anekdoten zum besten: „Ein Praktikant beispielsweise sollte mal einen Künstler nach Amsterdam zum Flughafen fahren, hat sich aber so verfahren, dass der Künstler den Flug nach Kanada verpasst hat und die sind dann im Endeffekt irgendwo in Richtung Frankfurt rausgekommen sind. Oder ein Praktikanten sollte einen Journalisten abholen und ist zum falschen Flughafen gefahren oder gar am falschen Tag, das kam auch mal vor. Eine hat sich mal beim Tanken mit Benzin übergossen. Praktikanten und Autos sind ein immer wiederkehrendes Quell der Freude“. Nasrin hat in ihrer eigenen Firma auch lustige Erfeahrungen mit Praktikanten gemacht: „Eine konnte tatsächlich mit einer normalen Kaffeemaschine keinen Kaffee kochen. Sie hat die Kanne mit Wasser vollgemacht, sie unten reingestellt und dann gewartet, bis das Wasser braun wird“.

Falls ihr euch fragt, ob Century Media Records auch Minijobber einstellt, so muss ich euch leider enttäuschen. Nasrin möchte künftigen Bewerbern aber noch ein paar Tipps an die Hand geben: „Ball flach halten und Ohren aufmachen. Gerade beim Einstieg. Keiner in dieser Branche mag Angeber! Man soll sich seinen Respekt erarbeiten, sympathisch und wissbegierig sein und gut mit Menschen umgehen können. Dann hat man auch ne gute Chanche sich durchsetzen zu können“.

Eines lag Nasrin am Ende des Interviews noch am Herzen, als ich sie fragte ob sie noch etwas loswerden möchte, das wir nicht gefragt haben: „Ich würde mich freuen wenn mal mehr Mädels in die Branche kommen würden, die es ernst meinen. Man sieht relativ wenig Frauen… Es gibt zum Beispiel auch ganz wenig Bands, in denen Frauen dabei sind. Das finde ich persönlich sehr schade“. Bei Century Media arbeiten übrigens verhältnismäßig viele Frauen, wie die beiden uns berichtet haben. Aber das ist wohl eher die Ausnahme.

Unser Fazit

Jemandem der sich sehr gut mit Musik auskennt, fleißig, sozialkompetent und teamfähig ist und auf dem Boden der Tatsachen bleibt, kann man ein Praktikum bei einem Musiklabel wärmstens empfehlen. Wer sich allerdings in erster Linie für den möglichen Kontakt zu beim Label gesignten Künstlern interessiert und wer die vermeintliche Coolness des Berufsfeldes im Vordergrund sieht, sei – zumindest von einer Bewerbung bei Century Media Records – eher abgeraten.

‚Irgendwas mit Medien‘ heißt in in dieser Branche häufig, dass man erstmal eine Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien macht. Oder man ist gewissermaßen ein Quereinsteiger. Entscheidest du dich letztendlich für die Ausbildung, bist du universell in vielen verschiedenen Medienbetrieben einsetzbar, weil du die übergreifenden Basics lernst. Später kann man sich dann häufig auf einen bestimmten Kompetenzbereich spezialisieren. Wichtig ist, dass man sich vorher bewusst macht, dass es sich hier genauso um ehrliche Arbeit handelt, wie in jedem anderen Berufsbereich auch und das heißt ja wohl noch lange nicht, dass die Arbeit nicht auch richtig Spaß machen kann! 🙂

Text und Interview by Claudia Sommer

Bildquelle: Antonio Gravante/Shutterstock

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