‚‚Diversity in extremes‘ – das ist das Motto des weltweit etablierten Metal&Rock-Independent-Labels Century Media Records, das für Vielseitigkeit und Offenheit innerhalb des Genres steht. Neben traditionellen Acts wie Paradise Lost oder Napalm Death hat Century Media Bands wie Heaven Shall Burn, Suicide Silence und Winds of Plague unter Vertrag. Als ich dort von unserer Idee erzählt habe, ein wenig Aufklärungsarbeit hinsichtlich des ‚Irgendwas mit Medien‘-Diskurses zu leisten, war mein Kontakt Dario gleich Feuer und Flamme.Wie auch viele andere Branchen sieht sich Century Media Records aus eigener Erfahrung direkt in den Konflikt der allgemeinen Berufsahnungslosigkeit involviert. Wir haben die deutsche Niederlassung des Unternehmens an ihrem Entstehungsort in Dortmund besucht und tolle Einblicke in die Musikbranche erhalten. Nasrin, Abteilungsleiterin im Bereich Promotion und Marketing, und Dario, zuständig für Digital Sales Marketing, standen uns Rede und Antwort und räumten auch mit der ein oder anderen falschen Vorstellung von diesem Berufsfeld auf.

Es ist Montag, der 12.11.12, ein sonniger Herbsttag. Meine Arbeitskollegin Bine und ich brechen nach Dortmund auf, um dem Musiklabel Century Media Records einen Besuch abzustatten. Was wir hier wollen? Natürlich erfahren, wie es berufsmäßig in dieser Medienbranche aussieht. Freundlich werden wir von einem fleißigen Praktikanten empfangen, der uns Kaffee, Wasser und einen Sitzplatz im warmen Besprechungszimmer anbietet. Braver Praktikant. Kurz darauf kommen auch schon Dario, zuständig für Digital Sales Marketing, und Nasrin, die unter anderem Abteilungsleiterin im Bereich Promotion und Marketing und zuständig für Personalangelegenheiten ist. Dario erzählt uns zunächst ein bisschen was über das Unternehmen:

Century Media wurde 1988 in Dortmund gegründet und gehört weltweit zu den größten Independent-Labels im Bereich Metal und Rock. Zum Unternehmen gehört nicht nur das Label Century Media Records, sondern auch das Label People Like You Records, bei dem unter anderem die Bands Broilers und Meteors unter Vertrag sind, sowie InsideOut Music, ein Progressive-Rock-Metal-Label. Beide sind ebenfalls dort im Haus ansässig. Außerdem gehört das Label Superbowl Music – eher ein Indie/Alternative-Label – zu Century Media, wo unter anderem Bands wie Dredg außerhalb von Deutschland unter Vertrag sind.

 

Irgendwas mit Medien - Ein Praktikum beim Msuiklabel

Century Media Records hat Büros in UK, Frankreich, Italien, Spanien, Benelux-Staaten, Australien, und natürlich in den USA, wo sie mit 40 Mitarbeitern vertreten sind. In Dortmund arbeiten rund 30 Mitarbeiter im Unternehmen.

Ebenfalls zum Label gehört der Musikverlag Magic Arts, wo aber keine Rezensionen und Ähnliches geschrieben und veröffentlicht werden, wie man vielleicht denken würde. Ein Musikverlag unterscheidet sich erheblich von einem Buchverlag, er kümmert sich beispielsweise um die Finanzen der Künstler und Bands. Dario erklärte uns das folgendermaßen: „Einerseits hat man Bands, die Musik machen und über ein Label ein Album rausbringen. Darüber verdienen sie für jede verkaufte CD ihr Geld. Wenn ein Song aber zum Beispiel im Radio gespielt wird, dann werden ja auch Abgaben dafür gezahlt und diese Rechte nimmt der Verlag wahr, sammelt das Geld für den Künstler ein und schüttet es an den Künstler aus. Er ist quasi ein Stellvertreter für den Künstler, der die Leistungsschutzrechte für diesen in Anspruch nimmt. Dabei behält er einen kleinen Prozentsatz für sich. Der Verlag kümmert sich außerdem um die Angelegenheiten der Textwriter, denn ein Interpret ist ja nicht immer gleich der Autor des Songtextes. Oder aber auch wenn ein Song bei Guitar Hero oder im Fernsehen gefeatured ist, dann spricht man von Synchronisationsrechten, um diese kümmert sich auch ein Verlag.“

Da ‚Irgendwas mit Medien‘ ja der Pseudo-Berufswunsch vieler junger Menschen ist haben wir aus gegebenem Anlass natürlich gefragt, was für Berufe im Zusammenhang mit Medien man bei Century Media Records überhaupt ausüben kann und ob das Unternehmen auch selbst ausbildet. Nasrin erzählt uns, dass aktuell drei Azubis im Unternehmen sind, welche im Standardberuf, den man jahrelang für diese Branche lernen musste wenn man zu einer Plattenfirma wollte, ausgebildet werden: Zum Kaufmann für audiovisuelle Medien. Es gibt zwar mittlerweile auch noch ganz viele andere Möglichkeiten, wie etwa ein Studium im Fach Künstlermanagement an der Popakademie, aber bei Century Media wird traditionell noch zum Kaufmann ausgebildet. Schulische und betriebliche Inhalte, die während der Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien gelernt werden, sind unter anderem Marketing, Promotion, Produktion, klassisch-kaufmännische Inhalte wie Buchhaltung, Medien-BWL und VWL. Nach Abschluss der Ausbildung kennt man alle Facetten des Berufs und ist nicht auf die Musikbranche beschränkt, sondern universell in der Medienbranche einsetzbar, zum Beispiel auch beim Fernsehen oder beim Radio.

Anders als in anderen Unternehmen passt Century Media Records die eigentlich ganz klassische Ausbildung gemäß der Personallage individuell den Interessenslagen und Talenten der Auszubildenden an: „Je nachdem wie sich die Interessenslage bei den Leuten heraus bildet und wie hier die Personallage ist, spezialsieren die Leute sich…Das hat immer etwas mit den individuellen Talenten und der Personalerverantwortlichen zu tun. Es ist bei uns nicht ganz wie in klassischen Berufsausbildungen bei anderen Firmen, dass man quasi von A nach B nach C rennt, sondern wir machen das ein bisschen individueller, auf die jeweilige Person zugeschnitten. Das ist unsere Art, die Ausbildung an unsere Firma anzupassen“.

Wir von meinpraktikum.de interessieren uns natürlich ganz besonders für den Bereich Praktika bei Century Media Records. Als klassischen Einsteigerbereich für Leute, die den Wunsch haben in der Musikbranche zu arbeiten, nennen uns Dario und Nasrin die Promotion/Back-Office: „ Das ist nicht Rocket Science, kann eigentlich jeder. Es geht vielmehr darum zu schauen, ob man Talent hat mit Menschen umzugehen, das ist halt der Schlüssel in der Promo. Nicht jeder hat das Fingerspitzen-gefühl und weiß, wie man das genau macht, also wie man ein Produkt an den Mann bringt. Um das herauszufinden ist ein Praktikum natürlich immer ganz gut, vor allem um zu gucken, ob man damit klar kommt, soviel mit Menschen zu tun zu haben. Das ist so der Einstieg, wo man auch immer nen ganz guten Überblick bekommt“. In diesem Bereich werden auch die meisten Praktikumsplätze vergeben. Weitere Möglichkeiten für ein Praktikum sind im Lager oder im Verlagswesen bei Magic Arts.

80-100 Bewerbungen erhält Century Media schätzungsweise pro Jahr, 2 Stellen sind dauerhaft auf der Homepage ausgeschrieben. Es bewerben sich aber auch einige Leute initiativ. Generell trudeln zwischen 5-8 Bewerbungen pro Monat ein. Es wird immer mehr, wenn es auf die Semesterferien zu geht, oder auf die Sommerferien, wenn die Leute gerade Abi gemacht haben. Bei Century Media Records sind ebenso Bewerber aus dem Ausland willkommen. Hin und wieder werden Praktikumsplätze aber auch über Kontakte zu ehemaligen Praktikanten vergeben. Es gibt außerdem die Möglichkeit ein Auslandspraktikum bei Century Media Records zu machen, im US-Büro zum Beispiel sind öfters mal Deutsche. Da läuft ein Praktikum aber ganz anders ab als hier, sagt Nasrin: „Hier in Deutschland trägt man mehr Verantwortung“. Bewerben kann man sich ebenfalls über oben angegebenen Link.

Die hauptsächlichen Aufgaben der Praktikanten beziehungweise den typischen Praktikumsalltag, können Dario und Nasrin ungefähr skizzieren: Die Praktikanten arbeiten in der Zeit von 10-18 Uhr. Ihr Aufgaben vormittags sind Post einsortieren, Mails checken, Pressearchivierung, Vorab-CDs bedrucken/labeln. Nach der Mittagszeit koordinieren sie unter anderem Verschickungen, machen Übersetzungsarbeiten und Tourdatenupdates. Abends muss dann meistens noch zur Post gefahren werden.

Den Praktikanten werden bei Century Media natürlich auch bestimmte Kernkompetenzen vermittelt. Aber welche? – Das war unsere Frage: „„Erstmal Arbeiten im Team – das ist eine ganz ganz wichtige Sache, das ist das A und O. Jemand, der ein Fremdkörper im Team ist, verhindert einen guten Flow im Arbeitsablauf. Hier gehts viel um Sozialkompetenz. Das braucht man permanent: im Team, mit dem Künstler, mit den Journalisten, et cetera. Die Musikbranche ist ein Auffangbecken für Leute, die etwas anders ticken und dementsprechend prallen da auch gern mal Egos aufeinander. Sozialkompetenz ist eines der wichtigsten Merkmale die man mitbringen muss“. Aber auch Zuverlässigkeit ist Nasrins Ansicht nach eine sehr wichtige Sache: „Da achte ich bei Praktikanten auch ganz stark drauf, das Sachen okay, sauber und in time erledigt werden. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und trotz allem Spaß bei der Sache muss das halt einfach laufen. Wenn Leute schon die vermeintlich uncoolen Sachen nicht richtig machen, möchte man gar nicht wissen, was bei den coolen Sachen – die ganz schon uncool sein können – passiert. Man bekommt einen Einblick in die Musikindustrie und weiß halt später, ob das was für einen ist oder nicht. Das ist ja eigentlich auch das wichtigste“. Praktikanten bekommen vom Unternehmen sowohl positives als auch negatives Feedback was ihre Arbeit während des Praktikums anbelangt. Century Media setzt klar auf offene Kommunikation. Erst einmal musste einem Praktikant gekündigt werden.

Warum ein Musiklabel nicht so viel Künsterkontakt bietet, wie man denkt, warum manche Leute zum falschen Flughafen fahren und für wen der “Irgendwas mit Medien”-Beruf im Musiklabel besonders gut geeignet ist, erfahrt ihr im zweiten Teil unseres Interviews.

Text by Claudia Sommer

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