Wie ein kleiner Fisch im großen Ozean fühlt man sich, wenn man seinen ersten Praktikumstag in einem Großkonzern antritt. Bis man einen Überblick über alle Abteilungen und Mitarbeiter hat, kann es Wochen oder sogar Monate dauern. Vielleicht liegt es daran, dass alle gleich aussehen in ihren Hemden und Anzügen. Den Chef sieht man höchstens im Vorbeigehen. Dabei gibt es sie – eine Welt, in der man in Flip Flops ins Büro kommen darf. In der man den Chef duzen und den Kaffee nur für sich selbst kochen muss. Vielleicht hast du sie bisher nur übersehen, denn wer durchforstet Jobbörsen nicht als erstes nach vertrauten Firmennamen? Schau nochmal genau hin, dann werden dir die vielen Start-ups auffallen, die Verstärkung in Form motivierter Praktikanten suchen. Bei uns erfährst du heute, warum du ein Praktikum bei einem Start-up machen solltest!

David gegen Goliath

Natürlich macht ein Praktikum bei einem namenhaften Unternehmen Sinn. Du bekommst einen Einblick in verschiedene Abteilungen, erfährst wie ein internationaler Konzern aufgebaut ist und knüpfst vielleicht sogar den einen oder anderen nützlichen Geschäftskontakt. In zukünftigen Bewerbungen hast du einen beeindruckenden Eintrag mehr zum Vorzeigen. Dafür herrschen hier aber auch klare Vorgaben und eine ausgeprägte Anonymität. Selbst langjährige Mitarbeiter kennen nur einen Bruchteil der Mitstreiter. Nicht jeder fühlt sich in der starren Struktur eines Konzerns wohl. Dagegen wirkt ein Start-up schnell wie ein kleines Wunderland. Kaum mehr als zehn Mitarbeiter arbeiten verteilt auf wenige Räume. Wer hier Chef und wer Praktikant ist, erkennt man erst auf den zweiten Blick. Einzelne Abteilungen wie Marketing, Vertrieb und Sekretariat sucht man oft vergebens. Hier ist der Controller auch mal PR-Berater und Personalchef in einer Person. Die Einrichtung: Spartanisch, so kann die erste Aufgabe des Tages auch mal das Einrichten des Computers sein, der Tags davor eigens für dich angeschafft wurde.

Doch wer jetzt denkt, er könnte bei einem Start-up ein Praktikum machen, bei dem er die Flip-Flop besohlten Füße hochlegen und sich eine entspannte Zeit machen kann, der irrt gewaltig. Auch wenn der Umgangston mehr freundschaftlich und weniger geschäftlich wirkt, gearbeitet wird dennoch sehr hart. Denn wo nur eine Handvoll Mitarbeiter sind, wird jede Kraft dringend gebraucht. Für dich als Praktikanten heißt das, dass du dich von Anfang an nicht nur einbringen darfst, sondern sollst.

Doch genau das macht auch ein Praktikum bei einem Start-up so besonders. Du musst hier in kein Schema passen, sondern kannst dich dort einbringen, wo deine Stärken sind. Eigene Projekte vom ersten Tag anvertraut zu bekommen, ist keine Seltenheit. Das Unternehmen ist noch im Aufbau und du hast die Möglichkeit, die Richtung mitzubestimmen – und welcher Praktikant kann das schon behaupten? Übrigens: selten endet ein Praktikum bei einem Start-up mit dem letzten Tag. Stimmt die Chemie und hast du es geschafft dich einzubringen, wird man nicht mehr auf dich verzichten wollen.

Tipps für deine Start-up Bewerbung

Nicht nur im Arbeitsalltag von Start-up geht es unkonventionell zu, sondern auch bei der Bewerbung. Und das fängt schon beim Erstkontakt an. Dieser darf nämlich gern über Telefon, anstatt über ein förmliches Anschreiben hergestellt werden. Nicht erschrecken, wenn du gleich geduzt wird, dies ist nun mal die klassische Umgangsform. Danach kannst du natürlich beweisen, dass du in der Lage bist eine anständige schriftliche Bewerbung zu verfassen.

Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch kann dann auch mal ganz kurzfristig erfolgen, immerhin muss deine Bewerbung nicht viele Abteilungen durchlaufen. Ist dies der Fall, stellt sich die Frage der Fragen: Was ziehe ich an? Anzug und Krawatte ist definitiv genauso unangemessen wie Hawaii-Shirt und Bermudas (so kannst du natürlich gern zur Sommerparty auflaufen). Ansonsten hast du aber ganz schön viel Freiraum. Denn generell wird beim Vorstellungsgespräch nicht nur geschaut was du kannst, sondern auch, wie gut du ins Team passt. Du solltest dir also unbedingt selbst treu bleiben und darauf verzichten, dich zu verkleiden. Bist du eher der nerdige Typ, darf man dir das gerne ansehen. Gepflegt lautet das Zauberwort. Man sollte dir schlicht und einfach ansehen können, dass du dir Gedanken gemacht hast.

Autorin: Sabine Zagar

Bildquelle: vschlichting/Thinkstock

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