40 Stunden Arbeit – Null Euro Lohn. Studenten können ein Lied davon singen, denn unbezahlte Praktika gehören bislang zum Studium dazu wie die Milch zum Müsli. Nur 60 % der Praktikanten erhalten für ihre Dienste auch eine Bezahlung. Wenn man bedenkt, dass jeder Student zwei bis drei Praktika absolviert, sollte die Mehrheit also bereits die Erfahrung unbezahlter Arbeit gemacht haben.

Genau das soll sich jetzt mit dem neu verabschiedeten Gesetzentwurf zum Mindestlohn, den Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vergangene Woche vorgestellt hat, ändern. Demnach sollen freiwillige Praktika, die länger als sechs Wochen dauern, ab 2015 mit 8,50 Euro die Stunde vergütet werden. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht und auch auf unserer Facebook Page wurde schon kräftig diskutiert. Dabei fielen die Rückmeldungen nicht nur positiv aus. Ob nun Zeit zum Feiern ist oder es doch noch ein Haar in der Suppe gibt, das wollen wir deshalb heute in unserem Blog herausfinden.

Money, money, money – oder nicht?

Fangen wir erst einmal vorne an und schauen, was denn nun genau beschlossen wurde. Wir wissen bereits, dass freiwillige Praktika laut dem vieldiskutierten Gesetzesentwurf mit 8,50 Euro vergütet werden. Das gilt allerdings nur, wenn das Praktikum eine Dauer von sechs Wochen überschreitet. Kurzpraktika dürfen daher auch weiterhin ohne Vergütung, bzw. mit einem deutlich niedrigeren Lohn stattfinden. Von dem Gesetzentwurf unberücksichtigt sind generell alle Pflichtpraktika, die im Rahmen der Schul- und Hochschulausbildung gemacht werden. Hier gilt weiterhin, Vergütung – nicht nötig.

RIP liebes Praktikum

Monatelang zum Nulltarif schuften ist also bald so gut wie passé, da sollte man sich doch freuen – oder etwa nicht? Schaut man sich die Presseberichte nun einmal genauer an, sind die Prognosen leider alles andere als rosig. Von der „Bedrohung“ bis hin zum „Aussterben“ von Betriebspraktika ist die Rede. Der Grund: Bildungsforscher gehen davon aus, dass es sich nicht jedes Unternehmen leisten kann, Praktika mit dem Mindestlohn zu vergüten. Bei einer 40 Stunden Woche wären das immerhin bis zu 1400 Euro. Demnach würden alle Unternehmen, die nicht in der Lage – oder bereit sind, diesen Lohn zu zahlen, auf die Einstellung von Praktikanten verzichten und so den Studenten die Möglichkeit vorenthalten, wertvolle Berufserfahrung zu sammeln. Alternative könnte eine drastische Kürzung der Praktikumsdauer auf sechs Wochen sein – wodurch der Lernerfolg und Nutzen auf ein Minimum sinken würde.

Nun ist das schon eine ganze Menge Schwarzmalerei, denn ob sich besagte Prognosen auch bewahrheiten, kann nur gemutmaßt werden. Die Frage ist schließlich, was passiert, wenn Unternehmen plötzlich keine Praktikanten mehr beschäftigen, wer kümmert sich dann um die Arbeit? Fakt ist, viele Unternehmen wissen schon längst, dass ihre Praktikanten weit mehr leisten, als Botengänge zu erledigen und anderen über die Schulter zu schauen. Sie leisten vollwertige Arbeit – und haben sie es damit nicht eh verdient, auch entsprechend vergütet zu werden?

Wo Praktikum draufsteht, ist nicht immer ein Praktikum drin

Damit hat die Mindestlohndebatte heimlich still und leise eine alte Debatte neu entfacht – die Abgrenzung von einem Praktikum zum sogenannten Scheinpraktikum. Denn viele Praktikumsplätze sind ganz einfach keine.

Ob man praktiziert oder bereits arbeitet, kann man durch wenige Schlüsselfragen herausfinden: Werden Aufgaben angeleitet, wird regelmäßig Feedback gegeben, wer trägt die Verantwortung? Denn letztendlich ist der Praktikant zu Ausbildungszwecken im Unternehmen und das soll man auch merken. Streng genommen sind eigene Projekte also nur dann in Ordnung, wenn der Praktikant angeleitet wird und die Verantwortung nicht selbst übernehmen muss. Zudem muss regelmäßig der Lernerfolg überprüft werden. Ein Unternehmen, das mit seinen Praktika dem Namen auch gerecht wird, lässt sich also nicht nur Arbeit abnehmen, sondern investiert selbst viel Zeit in die Ausbildung des Praktikanten. Der Mindestlohn könnte damit einen Anreiz stellen, wieder klarer zwischen Praktikum, Traineestelle und Einstiegsposition zu unterscheiden. Damit würden vor allem die Praktikumsstellen wegfallen, bzw. umgewandelt werden, die faktisch gesehen, nie welche waren.

Positives Signal an Praktikanten

Der Gesetzentwurf zeigt damit ganz klar ein längst überfälliges positives Signal an alle hart arbeitenden Praktikanten. Meldungen von Praktikanten, die über Monate hinweg unvergütet schuften, sollten damit bald der Vergangenheit angehören. Schade wäre es allerdings, wenn dennoch auch die Praktikumsplätze wegfallen würden, die ihren Zweck mit Bravour erfüllen und Studenten den Weg in die Arbeit ebnen. Denn auch wir müssen zugeben, der beschlossene Mindestlohn ist für kleine Unternehmen, Start-ups und Kulturbetriebe eine echte Herausforderung.

Autorin: Sabine Zagar

Bildquelle: sodapix/Thinkstock

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