In Sachsen müssen in Rekordzeit
Dämme zum Hochwasserschutz errichtet werden, täglich werden hunderte
Flüchtlinge mit Lebensmitteln, Wasser und warmer Kleidung versorgt und dann
steht auch noch die nächste Kommunalwahl an, für die Wahlhelfer gesucht werden.
Was diese drei Szenarien gemeinsam haben? Ihre ehrenamtlichen Helfer. Oder
besser gesagt: Die Tatsache, dass alle drei Szenarien ohne Ehrenamtliche nicht
in diesem Umfang und Tempo zu realisieren wären. Falls du dich schon immer
gefragt hast, was so eine ehrenamtliche Tätigkeit eigentlich von einem
Praktikum unterscheidet und wie sich ein Ehrenamt im Lebenslauf macht – wir
haben die Antworten.

Um direkt zu Beginn die
wichtigsten Fakten parat zu haben: Als „Ehrenamt“ bezeichnet man ein
sogenanntes freiwilliges öffentliches Amt, dass du – wie der Name ja schon sagt
– freiwillig ausüben kannst und für das du nicht bezahlt wirst. Für die meisten
Ehrenamtlichen ist ihre Tätigkeit in erster Linie eine Herzensangelegenheit,
der sie sich neben ihrem Abi, neben ihrem Studium, neben ihrem Job oder
übergangsweise in den Ferien widmen. Oder spontan, wenn gerade Not am Mann ist,
beispielsweise im Katastrophenschutz. Etwa 12 Millionen Menschen sind in
Deutschland ehrenamtlich tätig.

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Moment mal: Freiwillige
Tätigkeit, kein Entgelt für deine Leistungen – das klingt in deinen Ohren
schwer nach Praktikum? Kann man dann nicht das eine durch das andere ersetzen,
sich das oft umfangreiche Bewerbungsverfahren für ein Praktikum sparen und
trotzdem was Schickes in den Lebenslauf schreiben? Ganz so einfach ist es
leider nicht.

Eine
Herzenssache

Eine ehrenamtliche Tätigkeit
auszuüben, nur, damit im Lebenslauf nicht so eine gähnende Leere herrscht, ist
leider eine weniger gute Idee, du solltest in jedem Fall hinter dem stehen, was
du tust. Die meisten freiwilligen öffentlichen Ämter wurden 2014 im Bereich der
Kinder- und Jugendarbeit ausgeübt. Danach folgten lokale Tätigkeiten in der
Kommune und darauf die kirchlichen Ehrenämter. Das klingt eher weniger nach
Glamour und großer Karriere, sondern eher nach anpacken und Nerven bewahren.
Wenn du ein Ehrenamt ausüben möchtest, musst du dich außerdem auf unregelmäßige
Arbeitszeiten gefasst machen. Natürlich kann auch in deinem Praktikum eine
ganze Menge Arbeit einfallen, aber deine Wochenstunden sind in der Regel klarer
geregelt als bei einem Ehrenamt. Bist du hier nicht mit Herzblut dabei, kann
schnell die Ernüchterung folgen.

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Ein
Schmuckstück im Lebenslauf?

Mit einem Praktikum im Lebenslauf
machst du auf keinen Fall was falsch, aber gilt das auch für eine ehrenamtliche
Tätigkeit? Das lässt sich leider nicht pauschal sagen. Ein Ehrenamt kann
natürlich super aussehen, sofern du dabei Sachen lernst, beziehungsweise
Qualifikationen erwirbst, die auch für deinen Job gefordert werden. Hast du zum
Beispiel bei einer Jugendorganisation Events und Freizeiten geplant und
betreut, kann dein zukünftiger Chef daraus ablesen, dass du Organisationstalent
mitbringst, gute Nerven hast und ein aktiver Typ bist. Gut möglich, dass er so
jemanden für sein Unternehmen sucht. Es gibt aber auch Ehrenämter, die können
dich bei deinem Chef in ein negatives Licht rücken, auch wenn du etwas Gutes
getan hast. Ein Ehrenamt bei der Drogenberatung zum Beispiel kommt leider nicht
bei allen Arbeitgebern gut an.

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Das
Ehrenamt – ein zweischneidiges Schwert?

Das klang jetzt erstmal ziemlich
negativ? Das stimmt natürlich auch nicht, im Gegenteil! Ehrenamtliche Helfer
sind unersetzlich und werden an vielen Stellen händeringend gesucht. Außerdem
gilt es in einem moralischen Sinne oft als vorbildlich, sich auf einer
freiwilligen Basis für soziale Zwecke einzusetzen. Insofern zeigen sich
durchaus einige Personaler von deinem Verantwortungsbewusstsein und deinem
Engagement beeindruckt, wenn du ein Ehrenamt in deinem Lebenslauf stehen hast.
Leider gibt es aber trotzdem auch noch die andere Seite der Medaille. Und das
sind die Leute, die vielsagend eine Augenbraue hochziehen, wenn du erzählst,
dass du unentgeltlich deine Freizeit opferst, um im Tierheim oder einer
karitativen Einrichtung mit anzupacken und die einem Ehrenamt keinen hohen Wert
beimessen. Mach dir das bewusst, lass dich aber davon nicht entmutigen. Aber: Wenn
du deine ehrenamtliche Tätigkeit neben deinem Praktikum und dem Job trotzdem
weiterhin ausüben möchtest, solltest du dir nur vorher das Einverständnis
deines Chefs geben lassen.

Titelbild: ©Rawpixel Ltd |
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