Aus Fehlern wird man klug, heißt es. Doch in Wahrheit schätzt niemand Situationen, in denen Dinge schiefgehen und man auf die Nase fällt. Besonders unpraktisch, wenn du der neue Praktikant bist und sowieso ganz unten in der Hackordnung stehst. Irgendwas geht schließlich immer schief: Die E-Mail wird an den falschen Kunden geschickt, eine Deadline wird nicht eingehalten oder dein Text enthält Dutzende Grammatikfehler. Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, gibt es zuhauf: Vielleicht hast du deinem Chef Kaffee übers Hemd geschüttet oder gleich Interna an „WikiLeaks“ verraten (nur fürs Protokoll: Wir raten vom Letzteren ab). Wenn es passiert, dann darfst du jedoch zwei wichtige Dinge nicht vergessen:

1. Erstens können jedem Fehler passieren – sei es dem Praktikanten, dem Abteilungsleiter oder dem Präsidenten der Vereinigten Staaten.

2. Zweitens ist es nicht entscheidend, dass du einen Fehler gemacht hast, sondern wie du mit ihm umgehst. Die Vogel-Strauß-Taktik, also den Kopf gleich in den Sand zu stecken, ist garantiert nicht der produktivste Weg (es sei denn, du bist Schädlingsbekämpfer und auf der Suche nach Maulwürfen). Fehler zu machen, macht nämlich wirklich klug, wenn man richtig mit ihnen umzugehen weiß!

Selbstreflexion ist der Schlüssel zum Erfolg

Mistakes proof that you are tryingAls Portal für Praktikumsbewertungen hören wir regelmäßig von den unterschiedlichsten Erlebnissen und Erfahrungen – sowohl positive als auch negative. Auffällig ist dabei, dass nur die wenigsten versuchen, etwas Positives aus Situationen zu ziehen, die nicht optimal gelaufen sind. Dabei ist gerade das elementar entscheidend. Selbstkritik und Selbsterkenntnis sind hier die Zauberwörter! Vertusche deine Fehler nicht, sondern gehe offen mit ihnen um und versuche es beim nächsten Mal besser zu machen. Ziehe etwas Positives aus deinem Fehlschlag! Du hast die E-Mail dem falschen Kunden geschickt? Dann gewöhne dir in Zukunft an, vor dem Absenden noch einmal den Adressaten zu checken. Dein Vorgesetzter ist sauer, weil du dein Projekt zwei Tage zu spät fertiggestellt hast? Dann arbeite an deinem Projekt- und Zeitmanagement. Du hast einen Text geschrieben und dein Lektor ist mit dem Rotstift nicht zimperlich umgegangen? Dann arbeite an deinen Formulierungen, schau dir die Kommasetzung noch einmal an oder schreib den Teil einfach neu (glaub mir, ich weiß wovon ich rede).

Rate doch mal, in welchem Alter wir am effektivsten mit Fehlern umgehen? Klingt komisch, aber es ist das Kleinkindalter – oder warum lernen wir so schnell zu laufen? Kleinkinder machen es einfach: Hinfallen, aufstehen, hinfallen, aufstehen, und das immer und immer wieder. Es interessiert sie nicht, ob jemand ihren Fehler sieht, sondern sie wollen es einfach schaffen, bis es schlussendlich funktioniert. Die Wissenschaft nutzt dieses Prinzip schon seit Ewigkeiten. Sie nennt es die Trial-and-Error-Methode: Es wird so lange herumprobiert, bis es klappt. Dabei weisen die Fehlversuche den Weg zur Erkenntnis. Irgendwann später dann, wenn wir älter werden, schleicht sich jedoch diese Furcht ein, vor anderen dumm dazustehen, wenn wir einen Fehltritt begehen. Entwicklung heißt aber, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.

Zur Kritikfähigkeit gehört auch, sich Fehler eingestehen zu können

Wenn dich jemand mit deinen Missgeschicken konfrontiert oder dich auf etwas hinweist, solltest du dich nicht persönlich angegriffen oder gekränkt fühlen. Selbst wenn er es dir auf eine Weise sagt, die du für nicht korrekt, gemein oder gehässig hältst. Eine der oft geforderten Fähigkeiten in der Berufswelt sind die „Soft Skills“. Und zu denen gehört auch die Kritikfähigkeit! Kritik annehmen, Kopf oben behalten und es nächstes Mal besser machen ist die Devise. Schließlich sagte schon Oscar Wilde: „Wer Fehler gemacht hat, hat meistens nur Erfahrung gesammelt!“

Fehler können echt lecker schmecken

Es gibt übrigens sehr prominente Beispiele in der Geschichte dafür, warum aus einem Lapsus etwas Großartiges entstehen kann. Wusstest du, dass du ohne eines kleinen Missgeschicks des Amerikaners Frank Epperson heute vermutlich im Sommer kein Eis am Stiel hättest? 1905 hat er versehentlich im Winter über Nacht sein Glas Limonade mit einem Löffel darin draußen stehen gelassen. Am nächsten Tag war die Limonade gefroren und das erste Eis am Stiel geboren. 18 Jahre später ließ er sich die Idee patentieren und vertrieb fortan Wassereis in mehreren Geschmacksrichtungen. Ohne Fehler keine Innovationen! Bleibt zum Abschluss zu sagen: Lass dich von einem Malheur nicht entmutigen, sondern nutze es, um an ihm zu wachsen!

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