Wer kennt das nicht: Man bewirbt sich für sein Traumpraktikum und aktualisiert im Sekundentakt das Emailfach, um kurz danach feststellen zu müssen: schon wieder eine Absage! Mittlerweile hast du aufgehört zu zählen! Im Falle von Carina lief es jedoch ganz anders. Sie hat ein Praktikum im Modebereich gesucht und auch eins bekommen. Denn obwohl diese Branche für ihren harten Einstieg bekannt ist, konnte sie sich vor Einladungsgesprächen kaum retten. Wie sie das gemacht hat? Das erfährst du hier.

Warum hast du ein Praktikum im Modebereich gesucht?

Ich brauchte einfach einen Kontrast zum theorielastigen Unialltag. Ich habe Kunstgeschichte und Germanistik studiert und nebenbei gejobbt. Da blieb kaum Zeit für ein Praktikum. Nach einem erfolglosen Praktikum im Museum, will ich jetzt herausfinden, welche Aufgaben man in einer Redaktion so hat. Seit einem halben Jahr tausche ich mich über YouTube mit anderen Modeinteressierten aus und bin so auch selbst zu einer Mode Vloggerin geworden. Da ich mich sehr für Lifestyle-Themen und Mode im Vintage-Style interessiere, geht es nun in die Modebranche.

Worauf hast du bei deiner Recherche nach Praktika geachtet und worauf sollte man speziell im Modebereich achten?

Da ich nach Praktika in Onlineredaktionen gesucht habe, habe ich ausschließlich im Internet geguckt. Meistens auf Seiten, die sich bei Jobangeboten auf den Modesektor spezialisiert haben. Wichtig war mir, dass ich nicht mehr als zwei Stunden Fahrt mit Bus und Bahn in Kauf nehmen muss. Eine Vergütung musste auch sein, denn ich wollte mir mein Vollzeitpraktikum auch “leisten” können. Für ein Praktikum im Modebereich reicht es nicht, sich mal hier und da ein Modemagazin anzusehen. Man sollte “szeneinteressiert” sein und die Fachbegriffe verstehen. Wichtig ist auch, immer über aktuelle Modetrends Bescheid zu wissen und selbst ein Gespür für Mode und ihre Zusammenstellung zu haben.

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Du studierst Kunstgeschichte. Da stellen sich viele Leute vor allem Arbeiten im Museum vor, wie du es selbst auch schon probiert hast. Wie passen Mode und Kunstgeschichte zusammen?

Sehr gut! Schon immer haben Gemälde viel über frühere Kleidungskonventionen erzählt und gezeigt, womit sich Adlige von Bürgern abgrenzen wollten. So gesehen kann man in der Kunstgeschichte auch immer ein Stück Modegeschichte erkennen. Oder denkt mal an Haut Couture Modeschauen. Hier wird besonders kunstvolle, aber nicht unbedingt alltagstaugliche Kleidung in Szene gesetzt. Auch diese Schauen kann man, so ausgefallen sie auch manchmal in den Medien dargestellt werden, kunsthistorisch erfassen und geschichtlich betrachten, was ich sehr spannend finde.

Und wie passen Kunstgeschichte und Redaktionsarbeit zusammen?

Im Studium und der Redaktion steht Recherche an erster Stelle. Ich merke einfach, dass ich viel lieber nicht-wissenschaftliche Artikel schreiben würde, als Hausarbeiten im Schreibstil trockener Analysen, die am Ende dann doch nur meinen Dozenten gefallen müssen.

Wie viele Bewerbungen hast du rausgeschickt und wie fiel die Resonanz aus?

Es waren 18 Bewerbungen und ich bekam nur einen Tag später die Antworten. Das lag vermutlich daran, dass es Onlinebewerbungen waren und so keine Wartezeiten, wie beim Briefverkehr aufkamen. Mit Ausnahme einer direkten Absage wurde ich überall zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Das ist ein beachtliches Ergebnis! Was für Tipps kannst du anderen für Ihre Bewerbung geben?

Bei den Bewerbungen habe ich immer darauf geachtet, in den Anzeigen Anknüpfungspunkte für mich zu finden. In einer Anzeige wurde zum Beispiel gefragt, ob man Superman werden will. Meine Antwort: “Super(wo)man möchte ich nicht werden, aber ich bin interessiert in Ihrem jungen, dynamischen Team zu arbeiten.” An solch kleinen Details erkennt der Personaler, dass man nicht nur “Best Practice” Texte kopiert.

Lief denn wirklich alles bei den Bewerbungen glatt und gab es für dich ungewöhnliche Bewerbungssituationen?

Leider lief nicht alles glatt. Mir wurde mein Traumpraktikumsplatz, zudem ich zu einem Probearbeiten eingeladen war, noch in letzter Sekunde abgesagt. Ungewohnt war für mich ein 30-minütiges Telefoninterview. Es war eine ganz neue Erfahrung für mich, aber im Endeffekt sogar stressfreier, weil ich mir keinen großen Kopf um mein Outfit machen musste 😉 In einem anderen Interview wurden mir sehr schnell um die 30 Fragen gestellt, auf die ich sofort reagieren sollte. Das war auch ziemlich ungewöhnlich.

Was für Konditionen hat man dir für die Praktikumsplätze angeboten?

Von meinen 18 Bewerbungen kamen elf nicht infrage, weil sie unvergütet gewesen wären. Eines davon hätte sogar ein halbes Jahr dauern sollen! Mir wurde klipp und klar gesagt, dass Praktikanten selbst keinen Mehrwert bringen. Bevor sie einem Unternehmen nutzen, müsste es sie erst einmal richtig einarbeiten. Zeit ist eben Geld, das man scheinbar lieber einsparen möchte.

Wofür hast du dich letztlich entschieden?

Für ein Praktikum bei einem Online-Fashionshop, das vier Monate geht und mit 400€ monatlich vergütet wird. Das ist zwar nicht viel und ich muss täglich 90 Minuten Zugfahrt in Kauf nehmen, aber es ist machbar. Das Entscheidende war, dass mir im Vorstellungsgespräch schon zugesichert wurde, dass bei gegenseitigem Interesse eine Weiterbeschäftigung möglich ist.

Wir wünschen dir alles Gute im Praktikum und hoffen im Februar eine Bewertung von dir lesen zu können 😉

Das Interview wurde geführt von Jan-Gerrit Meyer.

Bildquelle: Webphotographeer/Thinkstock

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