Sommer, Sonne, Strand – wo die Einen ihren Urlaub verbringen, machen andere ein Praktikum. Eine der ‚Anderen‘ ist Julia, die gerade praktische Erfahrungen in ihrem Lieblingsland Spanien sammelt. Zurzeit isst sie noch Tapas oder schaut sich die Sagrada Família von Nahem an. Zurück in Deutschland gehört ihre Aufmerksamkeit aber wieder dem Studium Angewandte Literatur- und Kulturwissenschaften in Dortmund. Wenn sie es sich aussuchen könnte, würde sie Barcelona zu ihrer Wahlheimat machen, vorerst muss sie sich aber mit einem Praktikum zufriedengeben. Wie genau sie an dieses gekommen ist und wieso jeder Auslandsstudent anfangs lieber in einem Hostel wohnen sollte, verrät euch Julia in unserem Interview.

1. Wo genau machst du derzeit ein Praktikum und wieso ist es ausgerechnet Barcelona geworden? Handelt es sich um ein freiwilliges oder ein Pflichtpraktikum?

Die Entscheidung, ein Praktikum in Barcelona zu machen, stand für mich schon letztes Jahr fest, nachdem ich dort an der Universitat Autònoma de Barcelona ein Auslandssemester absolviert hatte. Die Mentalität der Menschen und die Kultur in Barcelona faszinierte und begeisterte mich zugleich, denn ich hatte und habe das Gefühl, dass meine Weltanschauung dadurch erweitert und beeinflusst wurde. Für das Praktikum habe ich mich also aus freien Stücken entschieden.

2. Wie hast du dein Praktikum gefunden? Hat die Uni dir bei der Stellensuche geholfen, hattest du Kontakte oder hast du eine spannende Stellenanzeige entdeckt?

Meine Uni verteilt zwar öfter mal Praktikumsangebote, aber ich hatte nun mal Barcelona als Ziel vor Augen, weshalb ich mich alleine auf die Suche begeben habe. Im Internet findet man zwar viele spannende Angebote, aber man muss sich auch für Stellen bewerben, die einem vielleicht nur halb zusagen, weil zum Beispiel teilweise nicht genügend Informationen zu den Aufgaben im Betrieb angegeben werden.

3. Barcelona ist rund 1500 Kilometer entfernt und kurz hinfahren ist kaum möglich. Wie lief also dein Vorstellungsgespräch ab?

1_Praktikum in BarcelonaIch muss sagen, dass es sich ganz anders anfühlt, eine Bewerbung mal eben online abzuschicken, als dann tatsächlich ein Online-Vorstellungsgespräch zu haben, das man per Skype führt. Das war mir zwar vorher klar, aber so wirklich bewusst wurde es mir erst, als ich dann schwitzend vor dem Bildschirm saß und vergeblich versuchte, eine weiße Wand im Zimmer zu finden, um seriöser zu wirken.

Von dem Gespräch mit meinem aktuellen Chef war ich mehr als begeistert. Es war so locker, persönlich und direkt auf „Du“, sodass die Hemmungen schnell verflogen waren. Als zum Schluss noch eine Runde Spanisch gesprochen wurde, hatte ich das Praktikum in der Tasche.

4. Wohnung finden, Finanzierung, Flüge – Wie hast du das alles gemeistert und was war die größte Hürde an der Praktikumssuche?

Flüge buchen ist schnell erledigt, sowas macht man ja öfters. Die Wohnungssuche ist allerdings ein ganz anderes Thema. Die Wohnungsstandards in Barcelona haben mit deutschen wenig gemeinsam, dafür sprengen die Zimmerpreise jeglichen Rahmen. Wochenlanges Suchen im Internet und in Apps machte mich von Tag zu Tag verzweifelter. Denn wenn man sich die Bilder anschaute, überfällt einen einfach ein Schauder.

Es werden teilweise Zimmer für 300 bis 400 Euro pro Monat vermietet, die nicht mal ein Fenster haben und in denen nur ein kleines Bett steht. Aber: Wer suchet, der findet! Ich hatte Glück und konnte in eine moderne, bezahlbare Wohnung mit tollen Mitbewohnern, einem kleinen Hund und dem schönsten Ausblick in ganz Barcelona ziehen.

5. Wie dürfen wir uns dein Büro und deine Aufgaben in Barcelona vorstellen?

Balkonaussicht BarcelonaUnser Office bei CV-Coach liegt mitten in einem angesehen Viertel (Gracía), in einem wunderschönen großen Gebäude. Wir haben ein lichtdurchflutetes Büro, das sogar mit einer Klimaanlage ausgestattet ist (besonders wichtig bei den Temperaturen im Sommer hier). Einen gemütlichen Balkon, auf dem wir zu Mittag essen, gibt es ebenfalls.

Aber jetzt zu meinen Aufgaben: Das tolle an einem Startup-Unternehmen wie diesem ist, dass man nicht einfach nur ein Sandkorn in einem riesen Konzern ist, sondern das Ergebnis der eigenen Arbeit tatsächlich sehen kann. Beispielsweise gehört zu meinen Aufgaben das Designen und Gestalten von Bannern für unsere offiziellen Homepages in Spanien sowie Deutschland.

Büro in BarcelonaMein persönliches Highlight war, als das von mir entworfene Firmenschild an unserem Firmengebäude angebracht wurde. Zudem werden meine Sprachkenntnisse hier täglich besser, da ich Lebensläufe auf Spanisch korrigiere und somit ein besseres Gefühl für die Sprache bekomme.

6. Wie ist die Stimmung bei euch im Team? Wie kommst du mit den Kollegen aus?

Was die Stimmung und die Kollegen bei uns angeht, so kann man sich wirklich, wirklich keine besseren wünschen. Es werden immer Witze gemacht, in der Mittagspause gehen wir entweder auswärts essen oder wir kochen etwas und setzten uns gemütlich auf die Terrasse. Doch auch privat sind wir ständig gemeinsam unterwegs, gehen feiern oder relaxen einfach am Strand.

7. ¿Hablas español? Wie wichtig sind Spanischkenntnisse für dein Praktikum?

Si puedo hablar en espanol? Claro que si! Ich muss sagen, dass bei diesem Praktikum Sprachkenntnisse einfach unverzichtbar sind. Wir haben zwar viele Deutsche bei uns, aber genauso viele Spanier, Franzosen und Engländer, mit denen man sich verständigen muss und auch will! Und vor allem Spanisch ist bei der Kontrolle von den Lebensläufen ziemlich wichtig, da man grammatikalische Fehler etc. erkennen muss.

8. Dein Lieblingssatz auf Spanisch?

Mein Lieblingssatz? Das ist schwierig. Es gibt so viele, aber am meisten wohl: ,,En seriooo?“ Übersetzt bedeutet es so viel wie „Im Ernst?“ oder „Echt jetzt?“.

9. Meer, Sonne, Beachparty – kannst du dich bei all den Ablenkungen überhaupt auf das Praktikum konzentrieren?

Oje, das ist eindeutig ein guter Punkt. Konzentrieren ja, denn man ist bei der Arbeit immer beschäftigt. Anstrengender dagegen ist Barcelonas Rhythmus: Hier ist einfach jeden Tag etwas los und da ich natürlich nichts verpassen will, geht es nach dem Feierabend direkt wieder los, sei es zur nächsten Disko, einem Barbacoa bei Freunden, oder einer selbstorganisierten Beachparty. Schwierig ist es dann sich am nächsten Tag pünktlich aufzustehen, aber da die Arbeit Spaß macht und das Wetter toll ist, schafft man es!

10. Dein Geheimtipp für alle, die Barcelona noch besuchen wollen?

3_Bunker in BarcelonaMein Geheimtipp ist EL BUNKÉR DEL CARMEL, mit so ziemlich dem schönsten Ausblick über ganz Barcelona. Noch(!) ist es kein Touristen-Hotspot und man kann bei Sonnenaufgang oder nachts die Stadt pulsieren sehen.

11. Welchen Rat würdest du jemanden mit auf dem Weg geben, der in Spanien ein Praktikum machen möchte?

Am besten einen Spanisch-Crashkurs machen oder zumindest eine hilfreiche Übersetzungs-App herunterladen. Denn Barcelona ist zwar international, wenn man hier aber eine Auskunft braucht, kommt man mit Englischkenntnissen nur bedingt weiter. Was die Wohnungssuche angeht, würde ich lieber erst einmal in ein Hostel ziehen und die Wohnungen vor Ort anschauen, denn die Mitbewohner müssen einem auch sympathisch sein und im Internet sehen die Bilder meistens ganz anders aus.

Ansonsten: Offen, unternehmensfreudig und kommutativ sein! In Barcelona gibt es so viel zu erleben und die Leute sind der Wahnsinn. Wenn man also mit einer positiven Einstellung hinfährt, kann einfach nichts schiefgehen. Dann macht man nämlich eine der schönsten Erfahrungen seines Lebens!

Wenn euch jetzt das Fernweh gepackt hat – hier findest du freie Praktikumsstellen in Spanien.

Bildquelle Bunker: © Kenneth Dedeu/Shutterstock

Teilen: