Sie haben sich im TV duelliert, Rede über Rede gehalten und um Wähler geworben. Merkel, Steinbrück und Co. sind auf der Zielgeraden des Wahlkampfs. Sonntag sind wir gefragt und dürfen unsere Stimme abgeben. Doch nicht jedem genügt der Gang zum Wahllokal. Möchtest du in der Politik mitmischen, kann ein Praktikum der erste Schritt sein. Katharina hat bereits ein Praktikum im Bundestag gemacht und erzählt uns heute, was sie in Berlin erlebt hat. Steckbrief:

Name: Katharina F.

Studiengang: Sozialwissenschaften (Studienrichtung Politikwissenschaft)

Dauer des Praktikums: 2 Monate

Alter während des Praktikums: 23 Jahre

In welchem Bereich hast du das Praktikum absolviert und was waren deine Aufgaben?

Ich habe das Praktikum in der Verwaltung des Deutschen Bundestages, genauer gesagt im Sekretariat des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, absolviert. Zu meinen Aufgaben gehörten das Verfassen von Sitzungsprotokollen und Gesprächsvermerken des Ausschusses, Recherchetätigkeiten zu ausschussrelevanten Themen, Personen und Organisationen im Internet und internen Datenbanken. Außerdem nahm ich an Fachgesprächen der Ausschussmitglieder u.a. mit Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes, ausländischen Parlamentarierdelegationen und Menschenrechtsaktivisten und –verteidigern teil. Ich beteiligte mich auch an der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung von Besuchsterminen sowie an der Betreuung der Gäste und unterstützte das Sekretariat bei der Bearbeitung von Bürgeranfragen und Terminvereinbarungen.

Wie waren die Arbeitszeiten? Hingen sie vom politischen Geschehen ab?

Die Arbeitszeiten orientierten sich an den Arbeitszeiten der festangestellten Mitarbeiter. Im Detail kann ich leider nicht mehr genau sagen, an welchen Tagen ich wie lange gearbeitet habe. Es dürfte aber eine 38-40 Stunden-Woche gewesen sein. Grundsätzlich war die Arbeitszeit in den Sitzungswochen des Deutschen Bundestages länger als in den sitzungsfreien Wochen. Das liegt daran, dass der Ausschuss in den Sitzungswochen getagt hat – was schon mal mehrere Stunden gedauert hat und sich bis in den frühen Abend hineinziehen konnte. Außerdem fanden in den Sitzungswochen die Fachgespräche statt.

Konntest du während des Praktikums Kontakte zu Politikern knüpfen oder hast du mehr im Hintergrund gearbeitet?

Grundsätzlich fand meine Arbeit schon eher im Hintergrund statt, da das Ausschusssekretariat schließlich verwaltend und organisatorisch tätig ist. Direkten Kontakt zu Politikern hatte ich nicht – vielmehr bin ich ihnen „nur“ begegnet, ob in den Ausschusssitzungen, Fachgesprächen oder einfach auf dem Flur und in der Kantine.

Was war dein spannendstes Erlebnis während des Praktikums?

Glücklicherweise hatte ich mehrere spannende Erlebnisse während meines Praktikums. So fand ich z.B. die Teilnahme an den Ausschusssitzungen sehr interessant – nicht nur die „meines“ Ausschusses, sondern auch die anderer Ausschüsse. In diesen Genuss kommt man nämlich als Praktikant: Wenn man gerne an den Sitzungen anderer Ausschüsse teilnehmen wollte, musste man sich einfach anmelden und konnte dort hingehen. So konnte ich u.a. auch an dem Untersuchungsausschuss zur Hypo Real Estate-Rettung teilnehmen. Ein weiteres Highlight war die Teilnahme an den Plenarsitzungen des Deutschen Bundestages – auch hierfür musste man sich allerdings frühzeitig anmelden. Obwohl ich politisch anders gesinnt bin, war es durchaus auch ein spannendes Erlebnis, einmal die Bundeskanzlerin im Bundestag gesehen zu haben und das sogar von recht Nahem.

War das Praktikum vergütet?

Nein, das Praktikum war nicht vergütet.

Du musstest für das Praktikum nach Berlin ziehen. Hast du dir deine Unterkunft selbst organisieren müssen oder wurde sie dir gestellt?

Alle Praktikanten müssen sich selbst um ihre Unterkunft kümmern, es wird nichts gestellt. Ich habe letztlich ein kleines Ferienappartement angemietet. Andere Praktikanten mieten sich auch in WGs ein.

Was sollte man mitbringen, um ein Praktikum im Bundestag absolvieren zu dürfen? Muss man beispielsweise bereits politisches Engagement gezeigt haben oder einer Partei angehören?

Nein, um ein Praktikum in der Verwaltung des Bundestages zu absolvieren, muss man kein Parteimitglied sein. Man muss sich jedoch während der Praktikumszeit in einer Schul- oder Hochschulausbildung befinden. Anders sieht es vermutlich aus, wenn man ein Praktikum bei einem Bundestagsabgeordneten/einer Bundestagsabgeordneten oder bei einer Bundestagsfraktion absolvieren möchte. Dort könnte ein politisches Engagement bzw. die Parteizugehörigkeit durchaus eine Rolle spielen oder gar Voraussetzung sein – bei einem Abgeordneten vielleicht etwas weniger als bei einer Fraktion. Es gibt also drei verschiedene Möglichkeiten, ein Praktikum im Bundestag zu absolvieren: in der Verwaltung (wie ich), in einem Abgeordnetenbüro oder bei einer Bundestagsfraktion. In allen Fällen sollte man natürlich auch ein gewisses Interesse an politischen Abläufen und Inhalten mitbringen. Vermutlich läuft man sonst Gefahr, sich im Praktikum zu langweilen.

Wie hast du dich um das Praktikum beworben? Die Nachfrage ist doch sicher sehr groß. Gab es ein Auswahlverfahren?

Um einen Praktikumsplatz zu bekommen, habe ich eine schriftliche Bewerbung (per Post) an den Bundestag geschickt. Da die Nachfrage sehr groß und die Anzahl der Praktikumsplätze begrenzt ist, sollte man sich frühzeitig, möglichst zwölf Monate vor dem angestrebten Praktikumsbeginn bei der Bundestagsverwaltung bewerben – das habe ich auch so gemacht. Beworben habe ich mich mit einem tabellarischen Lebenslauf, der Angabe meines gewünschten Praktikumszeitraums und Einsatzreferats und einer aktuellen Studienbescheinigung. Nach welchen Kriterien die Bundestagsverwaltung die Praktikanten auswählt, ist mir nicht bekannt. Ein Auswahlgespräch oder ähnliches findet jedoch nicht statt. Man bekommt lediglich eine Info darüber, ob man einen Praktikumsplatz bekommen hat oder nicht.

Warum hast du das Praktikum im Bundestag gemacht und was hast du dir erhofft?

Das Praktikum im Bundestag habe ich gemacht, um neben dem theorielastigen Studium mal einen Einblick in die politische Praxis zu bekommen. Während man im Studium nur aus der Theorie weiß, welche Prozesse wann und wie ablaufen, ermöglicht einem das Praktikum, Politik „hautnah“ zu erleben. Außerdem habe ich mir durch das Praktikum natürlich Vorteile bei späteren Bewerbungen erhofft.

Konnte das Praktikum deine Erwartungen erfüllen? Hat es dir beispielsweise bei deinem weiteren Karriereverlauf geholfen?

Meine Erwartungen, einmal in die Politik hinein zu schnuppern und praktische Erfahrungen zu sammeln, konnte das Praktikum definitiv erfüllen. Ich würde allerdings nicht sagen, dass mir das Praktikum bisher bei meinem weiteren Karriereverlauf sonderlich weitergeholfen hat. Vielleicht könnte sich das ja noch ändern, da ich noch relativ am Anfang meiner beruflichen Laufbahn stehe. Meinen ersten Job habe ich zwar auch im politischen Bereich gefunden – als wissenschaftliche Mitarbeiterin im einem Wahlkreisbüro eines Bundestagsabgeordneten. Diesen Job habe ich aber wohl eher meinem politischen Engagement bzw. meiner Parteizugehörigkeit zu verdanken als meinem Praktikum im Bundestag.

Würdest du das Praktikum im Bundestag weiterempfehlen?

Ein Praktikum im Bundestag würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen! Man bekommt einfach Einblicke, die einem sonst verwehrt bleiben. Wenn das nötige Interesse an der Politik vorhanden ist, rate ich jedem, dort ein Praktikum zu absolvieren. Man sollte sich aber über die Kosten eines solchen Praktikums bewusst sein. Wohnen in Berlin ist nicht gerade billig. Andererseits hat man auch nicht oft die Gelegenheit in der Hauptstadt zu wohnen und in Berlin gab es so viel zu sehen und zu erleben. Das Praktikum und die ganzen Erfahrungen sind es allemal wert gewesen!

Das Interview wurde geführt von Sabine Zagar.

Bildquelle: anibaltrejo/Thinkstock

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