Mysteriöse Fremde, Verfolgungsjagden und ferne Welten – ein abenteuerliches Praktikum der besonderen Art erwartet euch bei Katja Brandis. Sie ist nicht nur Autorin vielfältiger Thriller, Krimi- und Fantasyromane, sondern ermöglicht auch allen Schreibwütigen, bei einem Praktikum als Autor Einblicke in ihre Arbeit zu bekommen. Was man als Schriftsteller-Praktikant so erleben kann, erfahrt ihr in unserem Interview.

In der Vorstellung der meisten macht ein Autor wahrscheinlich den ganzen Tag nichts anderes, als vor dem Laptop oder Stapeln an Papier zu sitzen und zu schreiben. Ist an dem Klischee etwas dran oder wie verbringen Sie einen typischen Arbeitstag?

Das variiert sehr stark, je nachdem, in welcher Phase der Buchentstehung ich mich gerade befinde. Während der Planung und Recherche lese ich viel Fachliteratur, schaue Dokus, führe Interviews und schaue mir bestimmte Dinge vor Ort an. Diese Phase ist für die Praktikanten meist ziemlich spannend, weil sie mich bei der Recherche begleiten können – das letzte Mal habe ich mir zusammen mit der damaligen Praktikantin u.a. ein Gefängnis von innen angeschaut und einen Kriminalhauptkommissar interviewt.

In der Schreibphase sitze ich tatsächlich viel am Schreibtisch und hacke auf die Tastatur ein. Was in jeder Phase anfällt ist der „Routinekram“: den Kontakt mit meinem Agenten halten, Klappentexte schreiben, Druckfahnen korrigieren, Exposés für neue Romane entwickeln, zu Coverentwürfen oder Illustrations-Skizzen Feedback geben, Leser-Mails beantworten, Autogrammkarten verschicken, Interviews geben, Lesungen vorbereiten und so weiter. Auch zu Lesungen habe ich schon ein paarmal Praktikanten mitgenommen, die haben mir dann assistiert. Die Gelegenheit einer Autorin über die Schulter zu schauen, bekommt man nicht alle Tage.

Wieso haben Sie sich dazu entschlossen, Praktikanten zu sich einzuladen?

Das war ursprünglich nicht meine Idee. Eines Tages fragte eine Mutter an, ob ihre Tochter bei mir Praktikum machen dürfte, und da ich sowieso viel in der Nachwuchsförderung mache, dachte ich: Hey, warum nicht? Könnte lustig werden. Und so war es auch, obwohl gerade das erste Praktikum nicht ganz optimal verlief. Seither nehme ich nur Bewerbungen von den Jugendlichen selbst entgegen, nicht mehr von deren Eltern!

Was für Aufgaben erwarten mich als Praktikantin? Fließen Ideen Ihrer Praktikanten vielleicht sogar in Ihre Romane ein?

Hier ein kleiner Auszug aus meinen „Praktikanten-Infos“: „Ein Praktikum bei mir läuft in etwa so ab: die Hälfte der Zeit wirst du mich unterstützen, und die andere Hälfte der Zeit arbeitest du an eigenen Projekten, z.B. an einem Romanprojekt oder an mehreren Kurzgeschichten. Deine Texte besprechen wir dann zusammen, damit du sie gleich überarbeiten kannst. Mich zu unterstützen heißt z.B. neue Passagen testzulesen, Plots mit mir zu diskutieren, mir bei der Recherche für neue Bücher zu helfen, sich Nebenfiguren für einen meiner Romane auszudenken… oder auch einfach mal zum Copyshop zu radeln 🙂 Eins kann ich dir versprechen, du wirst viel davon mitkriegen, wie Autoren arbeiten, wie Bücher entstehen und wie die Verlagsbranche so tickt! Dazu erzähle ich dir in dieser Zeit so einiges.“

Dass Ideen von Praktikantinnen in einen meiner Romane einfließen, hatte ich bisher noch nicht (das würde ich natürlich in der Danksagung erwähnen), aber eine Praktikantin – Ulla Scheler – hat mich, als ich gerade an einer Thriller-Idee bastelte, auf die Idee gebracht, ihre Schule als Schauplatz zu verwenden. Sie war dort nämlich im Schülerfernsehen aktiv, das gab es in ganz Bayern nur an eben dieser Schule. Ich war spontan begeistert und bin zur Recherche hingereist; Ulla und ihre Lehrer haben mir mit Engelsgeduld alles gezeigt und erklärt. Weil das meinen Roman „Libellenfänger“ stark geprägt hat, ist er Ulla gewidmet.

Gibt es bestimmte Voraussetzungen, um sich bei Ihnen für ein Praktikum zu bewerben? Ist vielleicht ein Literaturstudium von Vorteil oder sollte ich einfach nur gerne schreiben?

Nein, ein Literaturstudium ist absolut nicht nötig, ich nehme ohnehin hauptsächlich Jugendliche ab 16 Jahren, da ich ja selbst Jugendromane schreibe. Studenten können sich aber auch bewerben, das Fach ist egal, viel wichtiger ist die Liebe zum Schreiben und zu Büchern. Von Bewerbern lasse ich mir eine Textprobe schicken und ein paar Infos über Alter, Interessen und den bevorzugten Lesestoff etc., um einen Eindruck zu bekommen, mit wem ich es zu tun habe.

Es hilft natürlich, wenn der- oder diejenige meine Bücher kennt und mag, denn das Praktikum funktioniert nicht, wenn jemand nur Vampirbücher liest und mit den Abenteuerromanen oder Thrillern, an dem ich im Moment arbeite, nichts anfangen kann. Am liebsten nehme ich junge Leute, die ich schon aus Mails oder Workshops kenne und bei denen ich das Gefühl habe, dass wir gut miteinander klarkommen. Man verbringt ja ein oder zwei Wochen miteinander, das sollte schon passen.

Haben Sie einen generellen Tipp für all diejenigen, die gerne Schriftsteller werden möchten? Kann man Ihrer Meinung nach genauso darauf „hinarbeiten“ wie auf andere Berufe auch?

Es gibt sehr wenige Ausbildungsmöglichkeiten für Autoren, man muss sich das meiste immer noch autodidaktisch aneignen. Zum Glück gibt es inzwischen viele Fachbücher zum Thema Kreatives Schreiben, in denen man Grundlagen nachlesen kann. Der Rest ist hauptsächlich Übungssache, deshalb mein Tipp: Schreiben, schreiben, schreiben! Eine Sportart oder ein Musikinstrument lernt man auch, indem man möglichst viel trainiert bzw. übt. Aber wenn man Profi werden möchte, sollte man auch Talent mitbringen.

Wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Beruf gekommen und was macht Ihnen am meisten Spaß daran?

Ich habe mit elf Jahren entdeckt, wie viel Spaß mir das Geschichtenerfinden macht. Erst arbeitete ich als hauptberuflich als Journalistin und schrieb meine Romane nebenbei, aber nach und nach merkte ich, dass mir das Bücherschreiben sehr viel mehr bedeutete als das Mitmischen in der Tagespresse. Inzwischen schreibe ich nur noch Bücher, freue mich jeden Morgen auf die Arbeit und kann gut davon leben! Am meisten Spaß macht mir das Schreiben selbst, ich tauche dann völlig ein in meine Geschichten und würde am liebsten Tag und Nacht weitertippen. Letzteres geht leider nicht, ich habe einen kleinen Sohn und mein Mann will ja auch ab und zu Zeit mit mir verbringen.

Vielen Dank für das interessante Interview, Frau Brandis!

Falls du jetzt selbst Lust hast, dich an die Tastatur zu setzen und Frau Brandis zu schreiben, dann solltest du dich auf ihrer Webseite umsehen. Oder du machst einen Abstecher in den Buchladen und schaust mal in ihre neueste Veröffentlichung Schatten des Dschungels rein, wenn du noch keinen ihrer Romane kennst.

 

Titelbild: Roman Motizov / Shutterstock

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