Okay, der
Mythos der kaffeekochenden Praktikanten, die während ihres Praktikums nichts
anderes tun, als zwischen der Küche und dem Kopierer hin- und her zu flitzen, hat
langsam wirklich einen Bart bis zum Mond und wieder zurück. Sollte man
zumindest meinen. Und ein bisschen scheint das sogar in den Köpfen der Menschen
angekommen zu sein. Spätestens mit der Einführung des Mindestlohns, der zumindest
einen Teil der Praktikanten mit einschließt, scheint das Praktikum doch
zumindest ansatzweise eine Aufwertung erfahren zu haben. „Natürlich“ gibt es
trotzdem einige hartnäckige Vorurteile Praktikanten gegenüber, die wir einfach
nicht mehr hören wollen. Weil sie im besten Falle nicht stimmen und im
schlimmsten Falle richtig fies sind. Welche das sind? Bitteschön.

„Praktikanten
sind billige Arbeitskräfte.“

Wer eine
unbeliebte Position in seinem Unternehmen irgendwie mit irgendjemandem besetzen
muss, der stellt sich einen Praktikanten ein. Der freut sich nämlich über jeden
Happen, den man ihm hinwirft und man muss ihn für seine Arbeit nicht einmal
bezahlen – so, oder zumindest ähnlich denken leider immer noch viele Menschen
über Praktikanten. In diesem Vorurteil verstecken sich gleich zwei fiese Spitzen
gegen Studierende, die neben oder nach ihrem Studium versuchsweise Arbeitsluft
schnuppern wollen. Erstens: „Billig“ im Sinne von kostengünstig sind
Studierende, die ihr Praktikum auf freiwilliger Basis passend zum Studium
machen und länger als drei Monate im Betrieb bleiben, nicht mehr. Denn nach
dieser Zeit haben sie einen Anspruch auf den Mindestlohn – wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Zweitens: Die Arbeitskraft
von Praktikanten läuft ebenfalls nicht unter „billig“. Oft genug leisten
Praktikanten, wenn sie denn einmal eingearbeitet sind, genauso wichtige Arbeit
wie die Festangestellten und bilden so eine überlebenswichtige Ressource für
viele Unternehmen.

„Praktikanten
wissen doch gar nicht mehr, wie man richtig arbeitet.“

Man könnte
an dieser Stelle das Wort „Praktikant“ auch gegen das vielzitierte „GenY“
austauschen. Glaubt man diesem Vorurteil, könnte man meinen, die junge
Generation halte sich für was Besseres, denke nur an ihr eigenes Vergnügen und
habe dementsprechend auch keine Lust auf „richtige“ Arbeit. Unnötig zu sagen,
dass das Quatsch ist – sogar ziemlich bösartiger Quatsch, den zum Glück kaum
ein Vorgesetzter, der mit jungen Praktikanten zusammenarbeitet, nachvollziehen
kann. Klar, schwarze Schafe gibt es immer, aber die gab es auch schon in der
Generation unserer Eltern. Was allerdings stimmt: Karriere um jeden Preis
möchten heute immer weniger Studierende machen. Lebensqualität und Familie stehen
stattdessen höher im Kurs. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass
Praktikanten sich zu fein zum Arbeiten sind.

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„Praktikanten
habe keine Chance auf eine Festanstellung.“

Es ist kein
Geheimnis, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Absolventen in den
letzten Jahren nicht einfach geworden ist. Als oberstes Gut gilt Flexibilität
in allen Lebenslagen – und da ist es leider keine Seltenheit, dass der
unbefristete Arbeitsvertrag direkt nach dem Praktikum erst einmal ein
Wunschtraum bleibt, auch wenn immer noch einige Studierende vom Fleck weg
übernommen werden. Aber obwohl die Situation auf dem Arbeitsmarkt für
Praktikanten nicht allzu rosig aussieht, bedeutet das nicht, dass eine
Festanstellung ein Ding der Unmöglichkeit ist. Studien zeigen, dass dreieinhalb
Jahre nach ihrem Abschluss zwar nur 36 Prozent aller Absolventen den
Festvertrag in der Tasche hatten, andererseits waren auch nur acht Prozent
arbeitslos gemeldet. Der Rest war über ein Praktikum zumindest in ein
befristetes Arbeitsverhältnis gerutscht oder hatte sich selbstständig gemacht.

„Hübsche,
junge Praktikantinnen sind in erster Linie auf Männersuche.“

Manche
Vorurteile gegenüber Praktikanten (besser gesagt: Praktikantinnen) sind echt
zum Haare raufen. Dieses hier ist eines davon. Dieses Klischee kommt
anscheinend aus einer Welt, in der Frauen in der Höhle darauf warten, dass der
Mann, den sie beim Praktikum kennengelernt haben, von der Mammutjagd nach Hause
kommt. Und nicht einmal da entspräche es der Wahrheit. Ernsthaft also?

„Praktikanten
braucht eigentlich niemand.“

An dieser Stelle musst du wahrscheinlich lauthals
lachen, wenn du schon einmal ein Praktikum gemacht und den stressigen
Arbeitsalltag zu 100 Prozent miterlebt hast. Und du bist nicht allein. Rund 80
Prozent der Praktikanten sind nämlich der Meinung, gleichwertige Arbeit wie
ihre festangestellten Kollegen zu leisten. Und von Unternehmensseite aus ist es
auch kein Geheimnis, dass Praktikanten enorm wichtige Arbeitskräfte sind, die
dringend gebraucht werden. Woher also der Trugschluss kommt, Praktikanten
würden nicht gebraucht, ist uns völlig schleierhaft. Ein Vorurteil mehr also, das
wir bitte nie wieder hören wollen.

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