„Ich habe einen Superspezialauftrag für dich; deine neue Aufgabe ist super wichtig; kannst du das kurz erledigen.“ Klingt erstmal wenig verdächtig, doch oft versteckt sich hinter einer einfachen Aussage noch viel mehr. Heute wollen wir deshalb einmal zwischen den Zeilen lesen und decken so manchen versteckten Code auf. Vielleicht liest du am Ende deinem Chef oder deiner Chefin immer noch nicht jeden Wunsch von den Augen ab, aus den verbalen Nachrichten entgeht dir aber nichts mehr.

 „Würdest du bitte einen Botengang für mich übernehmen? Der Stapel Post muss noch abgeschickt werden.“

Tatsächlich heißt das übersetzt nicht immer „du bist hier nicht wichtig“. Häufig bedeutet es nichts anderes als: „Sorry, aber wir haben leider jetzt grad nichts Spannenderes für dich.“ Übrigens, auch zum Testen der Arbeitsmoral müssen oft Fleißaufgaben herhalten. Hat dein Chef aber nie was Besseres für dich zu bieten, muss wohl ein klärendes Gespräch her.

 „Wer möchte einen Superspezialauftrag übernehmen?“

Achtung! Der gewiefte Chef möchte dir eine öde Aufgabe schmackhaft machen. Besser erst fragen, worum es sich handelt, als direkt „hier!“ zu schreien.

„Ich bin grad busy, aber ich kümmere mich zeitnah um dein Anliegen.“

Der Chef möchte sich nicht festlegen, wann er sich endlich Zeit für dich nimmt. Warte also gar nicht erst darauf, eine Rückmeldung zu bekommen, sondern erinnere ihn selbst daran. Am besten pochst du auf einen Termin. Den kannst du in vielen Fällen sogar über die Teamassistenz ausmachen.

 „Wir müssen noch mehr Zeit in diese Aufgabe stecken.“

Lass dich nicht täuschen – DU musst mehr Zeit investieren, das Wir dient hier leider nur der Motivation. „Kannst du das kurz erledigen?“Was so lapidar klingt, ist oft ein Berg an Arbeit. Bist du bereits völlig ausgelastet darfst du dir durchaus erst die Einweisung anhören und dann entscheiden, ob Zeit ist oder nicht.

 „Interessanter Vorschlag!“

Er hätte auch „netter“ Vorschlag sagen können. Der Chef hält diesen vielleicht nicht für den kompletten Mist, umsetzen wird er ihn aber wohl eher nicht. Denn dann würde eine konkrete Aufforderung erfolgen, an der Idee weiterzuarbeiten.

 „Deine neue Aufgabe ist super wichtig!“

Der Motivator hat gesprochen. Super wichtig steht hier aber eher für: „Einer muss es ja machen.“ Nur soll anscheinend niemand anderes im Team damit belästigt werden. Mach dir nichts draus, als Praktikant kann man sich nun mal nicht immer die Rosinen aus dem Kuchen picken.

So viel zum Chef, aber Hand aufs Herz, es gibt auch Situationen, da möchte man selbst auch nur ungern Klartext sprechen. Vielleicht kommen dir die folgenden Situationen ja bekannt vor. 

 „Ich kann heut leider nicht mit euch essen gehen. Wir haben gestern Abend viel zu viel gekocht und ich habe die Reste mit.“

„15 Euro für ein Mittagessen? No way!“ Man hat es nicht leicht als Praktikant, selbst mit Mindestlohn muss man auf sein Geld achten. Dass man das aber nicht allen auf die Nase binden möchte, versteht sich von selbst.

 „Ja klar übernehme ich auch diese Aufgabe!“

Im Innersten denkst du bestimmt: „Geht’s noch, ich habe keine Zeit!!!“ Denn du bist mit Arbeit völlig überschüttet und traust dich bloß nicht, auch mal eine Aufgabe abzulehnen. Man soll dich ja nicht für inkompetent halten. Dennoch, ab und zu ist ein „nein“ wirklich angebracht. Sag einfach, woran du gerade arbeitest. Hat die neue Aufgabe Vorrang, dann weiß dein Chef auch gleich, dass etwas anderes warten muss.

 „Ich muss da noch was recherchieren.“

Gib‘s zu, du hast keinen Plan von dem, was du machen sollst!
Gibt es eine neue Aufgabe, die ich übernehmen darf?
„Hilfe, ich sterbe vor Langeweile!!!“ Die Frage nach neuen Aufgaben ist ein echter Hilferuf, aber zumindest kein schlechter Schachzug. Denn wie sonst soll sich etwas ändern? Bringt auch das nichts, wird es Zeit für ein Vier-Augen-Gespräch mit ehrlichen Worten.

Autorin: Sabine Zagar

Bildquelle: senerdesign/Thinkstock

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