Anna ist Volontärin im PR-Bereich und zählt damit zu den Mindestlohn-Ausnahmen. Denn anders als Praktika, fallen Volontariate in der Regel unter das Berufsbildungsgesetz, § 26 und stellen damit weder Arbeitsverhältnisse noch Praktikumsverhältnisse dar. Wie sie mit ihrer Situation umgeht, was sie am meisten an der Arbeit ohne Mindestlohn stört und warum sie dennoch nicht auf das Volontariat verzichten würde, das erfährst du nun.

Du absolvierst zurzeit ein Volontariat und bekommst im Gegensatz zu vielen Praktikanten nicht den gesetzlichen Mindestlohn. Gab es mit deinem Arbeitgeber bereits Gespräche zu dem Thema, beispielsweise ob dennoch eine Lohnanpassung möglich wäre?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich erstmal froh war ein Volontariat zu haben und inzwischen ist die Zeit ja auch absehbar. Deshalb habe ich ihn nicht direkt darauf angesprochen.

Im Vorfeld der Einführung des Mindestlohns, war für viele zunächst nicht klar, ob der Mindestlohn auch für Volontäre gilt. Dem ist leider nicht so. Hast du selbst versucht, deine eigene Lage zu durchleuchten? Zu welchem Ergebnis bist du gekommen?

Ich hab mich schon etwas informiert. Das ist aber doch alles irgendwie widersprüchlich. Im Grunde ist ein Volontariat ja eine Ausbildung, so sieht es anscheinend das Gesetz. Aber irgendwie ist es auch einer Trainee-Stelle oder einem längeren Praktikum sehr ähnlich und zumindest die Praktikanten bekommen ja den Mindestlohn. Es ist generell sehr schwierig, weil in Bezug auf Volontäre wenige Informationen zu finden sind. Aber um ganz ehrlich zu sein, bin ich froh, dass ich überhaupt ein Volontariat bekommen habe. Viel mehr ärgert mich die Länge des Volontariats in Bezug auf die Bezahlung.

Was hat deiner Ansicht nach die Länge eines Volontariats mit der Bezahlung zu tun?

Volontariate sind ja unterschiedlich lang. Meiner Meinung nach, reicht ein einjähriges Volontariat in vielen Fällen vollkommen. Die meisten haben schon ein Studium hinter sich und irgendwann hat man einfach alles gelernt und bekommt trotzdem sehr wenig Geld. Das ist schon frustrierend. Als Praktikant würde man schließlich in der gleichen Situation den Mindestlohn bekommen.

Warum wollen dann viele ein Volontariat machen?

Weil es für eine Festanstellung in der Medienbranche einfach sehr hilfreich ist. Ohne Volontariat braucht man teilweise richtig lange, um eine Festanstellung zu bekommen. Ich kenne Leute, die fünf Jahre Praktikum hinter sich bringen mussten, um dann endlich eine Festanstellung zu bekommen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es eine gute Ausbildung ist und man den Beruf bis ins kleinste Detail erlernen kann.

Hältst du den Mindestlohn überhaupt für sinnvoll?

Ja, als Volontärin hätte ich gerne mehr Geld, denn es ist schwierig mit so wenig Geld auszukommen. Außerdem arbeitet man Vollzeit und leistet ja auch viel. Da wäre ein wenig Anerkennung in Form von Geld schon schön. Auf der anderen Seite stellen kleinere Unternehmen dadurch weniger Volontäre oder freiwillige Praktikanten ein, weil es nicht bezahlbar wäre.

Bist du enttäuscht oder gar entrüstet, dass du ein Verdienst unter dem Mindestlohn erhältst?

Enttäuscht bin ich eher im Allgemeinen über die Bedingungen nach dem Studium. Aber ein Volontariat in meinem Bereich zu finden war schon schwer genug. Und deswegen bin erstmal froh überhaupt so etwas im Lebenslauf zu haben.

Wir danken dir für das offene Gespräch.

Teil 1 bis 5 der Mindestblogreihe gibt es hier zum Nachlesen:

Mindestlohn für Dummies .

Mindestlohn für Trainees – die Geister des Arbeitsrechts

Interview mit der „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ der Zollverwaltung

Mindestlohn aus Sicht einer Praktikantin

Mindestlohn aus Sicht eines Unternehmens

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