Während Laura sich noch über den Mindestlohn freut, herrscht bei vielen Unternehmen Bedenken. So auch in der Kultur- und Theaterszene. Welche Auswirkungen der Mindestlohn auf Arbeitsbedingungen und Eintrittspreise hat, warum hier dennoch keine Stellen wegfallen und ob die Mitarbeiter dank des Mindestlohns nun motivierter sind, das haben wir im Arbeitgebergespräch herausgefunden.

Sie betreuen ein privat geführtes Theater in Nordrhein Westfalen. Wie stehen Sie als Arbeitgeber dem Mindestlohn gegenüber – teilen Sie die Sorgen, die bereits viele Unternehmen im Vorfeld des Mindestlohnes äußerten?

Als Kulturunternehmen müssen wir ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen bevor wie ihn ausgeben. Das gilt für uns noch einmal mehr, da wir ein privates Theater sind, das keinen Cent Subvention erhält. Erste Hochrechnungen haben ergeben, dass wir die Mehrkosten definitiv werden an die Kunden weitergeben müssen, da in verschiedenen Bereichen die Löhne steigen.

Und wie sieht es im Bereich Personal aus? Mussten beispielsweise bereits Stellen, insbesondere für Praktikanten und Aushilfskräfte gestrichen werden?

Konkret haben wir Maßnahmen ergreifen müssen um die Mehrkosten aufzufangen. Beispielsweise haben bei uns die studentischen Kräfte die Garderobe und Thekendienst machen bei uns nur 6 Euro bekommen. Das ist natürlich wenig, war aber gerechtfertigt, da der Deal war, dass die Mitarbeiter – oftmals Studenten – während der laufenden Vorstellung nichts weiter zu tun haben und beispielsweise lernen konnten, so lange das Publikum im Saal war. So waren Mitarbeiter beispielsweise vier Stunden bei uns im Dienst, haben dafür 24 Euro bekommen, haben de facto aber nur 1 Stunde vor der Vorstellung, 20 Minuten Pause und 20 Minuten nach der Vorstellung gearbeitet. Jetzt müssen wir diesen Mitarbeitern 8,50 zahlen und überlegen auch, ob wir neue Aufgaben für diese Mitarbeiter finden.
Unsere Aushilfen in der Technik haben bisher 8,50 Euro bekommen. Denen müssen wir auch mehr zahlen, da diese Arbeit ja anstrengender und schwerer ist, als die Arbeit in der Theatergastronomie. So mussten wir in allen Bereichen, die auf Stundenlohnbasis arbeiten eine Gehaltserhöhung geben, die sich in der Gesamtheit auf eine Summe im fünfstelligen Bereich erhöht hat. Stellen streichen können wir einfach nicht, da wir als freies Theater eh schon mit der absoluten Minimalbesetzung arbeiten müssen, um wirtschaftlich zu bleiben und jeder Einzelne für uns enorm wichtig ist.

Mit welchen Konsequenzen muss in Zukunft gerechnet werden?

Wir müssen definitiv die Eintrittspreise und die Preise in der Gastronomie anpassen, bzw. haben das schon zum 01.01. getan. Das heißt de facto, dass es für den Kunden teurer wird. Hier ist es schon zu Beschwerden von Kunden gekommen, die dann natürlich nicht mehr so gerne oder nicht mehr so oft ins Theater kommen und das zieht den Rattenschwanz einer schlechteren Auslastung und geringerer Besucherzahlen und Einnahmen hinter sich her.

Halten Sie den Mindestlohn von 8,50 prinzipiell für sinnvoll und angemessen?

Wenn es um „Berufe“ geht, oder um Tätigkeiten die eine geistige oder körperliche Anstrengung erfordern sicherlich. Bei geringer Qualifikation oder bei Jobs die – wie eben unsere Gastronomie – spezielle Konditionen erfüllen eher nicht.

Haben Sie das Gefühl, dass Mitarbeiter, die nun den Mindestlohn bekommen, eine höhere Motivation zeigen?

Nein. Definitiv nein.

Vielen Dank für das offene Gespräch.

Teil 1 bis 4 der Mindestblogreihe gibt es hier zum Nachlesen:

Mindestlohn für Dummies .

Mindestlohn für Trainees – die Geister des Arbeitsrechts

Interview mit der „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ der Zollverwaltung

Mindestlohn aus Sicht einer Praktikantin

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