Wir haben schon viel zum Thema Mindestlohn für Praktikanten geschrieben – heute geht es aber darum, einmal mit den „ Betroffenen“ selbst zu sprechen. Heute hören wir uns deshalb einmal in den eigenen Reihen um und sprechen mit unserer Redaktions-Praktikantin Laura. Seit Oktober 2014 ist sie Teil unseres Teams. Da wir uns noch nicht von ihr trennen wollen, bleibt uns Laura noch eine Weile erhalten – und ist damit unsere erste Mindestlohn-Praktikantin. Wir haben mit Laura über das Thema Mindestlohn gesprochen. Was sie von unbezahlten 40-Stunden Wochen hält und warum jetzt erst einmal ein Familienessen fällig ist, das erfährst du jetzt.

Was bedeutet es für dich, den Mindestlohn zu bekommen?

Ich habe mich schon sehr darüber gefreut, dass mein Praktikum überhaupt verlängert wurde und umso mehr darüber, jetzt den Mindestlohn zu bekommen. So blöd das klingt, aber das ist das erste Mal, dass ich von einem Gehalt mein Leben selbstständig finanzieren kann – wenn auch in bescheidenem Rahmen. Das war mit einem Nebenjob neben dem Studium vorher nicht möglich.
Dass die Firma jetzt nach drei Monaten bereit ist, mir mehr als das doppelte an Gehalt zu zahlen, ist für mich natürlich auch deswegen ein super Gefühl, weil mir das zeigt, dass ich meine Arbeit gut mache und man bereit ist, weiter in mich zu investieren. Man hätte mich ja auch einfach durch einen neuen Praktikanten ersetzen können.

Klingt als hättest du auch bereits Erfahrung mit unbezahlten Praktika gemacht.

Zum Glück nur eins. Und zwar mein Pflichtpraktikum damals in der Schule, als ich noch Zuhause gewohnt habe. Danach habe ich eigentlich immer gejobbt und wenigstens ein bisschen verdient. Ich habe aber auch schon Praktika gesehen – insbesondere bei bekannten Arbeitgebern – die unvergütet sind bei einer Arbeitswoche von 40 Stunden und mehr. Da arbeitet man dann sozusagen nur, um sich einen großen Namen in den Lebenslauf schreiben zu können. Und in der Hoffnung, Kontakte zu knüpfen.

Hättest du das Praktikum denn auch ohne den Mindestlohn gemacht oder würde das heute für dich nicht mehr in Frage kommen?

Schwierig zu beantworten. Auf der einen Seite denke ich mir: Je mehr Arbeitserfahrung ich gesammelt habe, desto besser – es wird ja immer mehr die Angst geschürt dass man auf dem Arbeitsmarkt sofort aus dem Rennen ist, wenn man nicht den perfekten Lebenslauf vorweisen kann. Da ist man dann schnell versucht, auch unbezahlte Praktika zu machen. Auf der anderen Seite: Ich habe ein abgeschlossenes Studium in der Tasche, Lust zu arbeiten und muss meine Miete bezahlen. Wie soll ich das machen, wenn ich zwar Vollzeit arbeite, aber keinen Cent dafür bekomme? Daher meine Antwort: Ich könnte mir ein Praktikum, bei dem mir nicht zumindest ein kleines Gehalt gezahlt wird, gar nicht mehr leisten, selbst wenn ich wollte. Umso motivierter bin ich natürlich durch den Mindestlohn.

Apropos motivieren – bist du jetzt motivierter bei der Sache als vorher?

Ich war natürlich auch vorher schon motiviert und habe auch vorher schon ein kleines Gehalt bekommen – was, wie gesagt, für Praktikanten ja nicht selbstverständlich ist. Aber ja, dass ich jetzt deutlich mehr verdiene, motiviert mich definitiv, noch mehr aus mir rauszuholen. Wenn die Firma mir sagt: „Wir sind so zufrieden mit dir, dass wir bereit sind, mehr Geld für deine Arbeitskraft auszugeben“, dann will ich auch zeigen, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Und wer weiß – vielleicht wird ja sogar noch mehr draus?

Findest du den Mindestlohn für ein Praktikum angemessen?

Wenn der Praktikant vergleichbare Aufgaben übernimmt wie die Angestellten: Auf jeden Fall. Man liest und hört ja immer von diesem leidigen Kaffee-kochen-Klischee. Tatsächlich habe ich überwiegend Fälle erlebt, in denen Hilfskräfte oder auch Praktikanten einen Großteil der täglich anfallenden Arbeit erledigt haben. Und auch oft genug für Festangestellte eingesprungen sind. Viele Firmen sind angewiesen auf die Arbeit ihrer Praktikanten – und ich finde, das darf sich auch auf dem Gehaltsscheck zeigen. Schwierig ist es wie gesagt für kleine Firmen, die den Mindestlohn vielleicht zahlen wollen, es aber nicht können. Das sind dann gleichzeitig meist die, bei denen der Lerneffekt für den Praktikanten mit am größten wäre, weil er überall mit anpacken darf. Das ist dann für beide Seiten alles andere als gut.

Wie gut warst du im Vorfeld über den Mindestlohn informiert?

Seit über das Thema in den Medien gesprochen wurde, habe ich die Debatte im Auge behalten. Immerhin betrifft sie mich ganz direkt. Da kann es nicht schaden, wenn ich selbst über meine Ansprüche als Praktikant Bescheid weiß.

Zumindest für dich wurde aus der Debatte sehr schnell Realität. Hältst du den Mindestlohn für sinnvoll oder siehst du auch Schattenseiten? Hattest du beispielsweise Sorgen, dass die Praktikumssuche in Zukunft schwieriger wird, wie es bereits prognostiziert wird?

Den Mindestlohn an sich? Ja, definitiv. Ich finde es ist ein absolutes Unding, dass so viele Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können – ganz egal, ob es sich um Praktikanten oder Facharbeiter handelt, die eine Ausbildung gemacht haben. Momentan wird ja auch noch um einige Neuregelungen gestritten, da bin ich mal auf das Ergebnis gespannt.
Natürlich hat die Einführung des Mindestlohns aber auch noch eine Schattenseite. Wenn Praktikanten jetzt nicht länger als drei Monate am Stück beschäftigt werden – entweder, weil sich die Firma das nicht leisten kann oder will – dann ist das ein Schritt in die falsche Richtung. Viele Absolventen brauchen gerade längere Praktika um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und oft braucht allein die Einarbeitung ein paar Monate. Wenn man dann direkt wieder gehen muss, kann von Lerneffekt nicht die Rede sein. Und ich denke, viele Personaler wissen das und beurteilen ein Praktikum im Lebenslauf dann kritischer.

Ganz ehrlich – was hast du dir als Erstes gekauft?

Noch gar nichts „Richtiges“ wenn ich ehrlich bin. Wir wollen bald in eine größere Wohnung ziehen, da wird jeder zusätzliche Cent für die Renovierung und neue Möbel gespart. Wahrscheinlich werde ich demnächst aber mal meine Eltern groß zum Essen einladen. Als kleines Dankeschön für ihre Unterstützung in den letzten Jahren.

Würdest du deine Gedanken zum MIndestlohn in einem Bild zusammenfassen?

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Wir danken dir für das Interview.

Teil 1 bis 3 der Mindestlohnblogreihe gibt es hier zum Nachlesen:

Mindestlohn für Dummies .

Mindestlohn für Trainees – die Geister des Arbeitsrechts

Interview mit der „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ der Zollverwaltung

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