„Was zur Hölle ist eigentlich ein Trainee?“ Das haben wir uns gefragt, als wir nach dem Recht von Trainees auf Mindestlohn recherchiert haben. Eine Antwort haben wir gefunden: Arbeitsrechtlich gesehen rein gar nichts – sie existieren schlicht und einfach nicht! Nun mag es den Trainee auf dem Papier nicht geben, in der Praxis sieht das aber ganz anders aus. Da arbeiten sie in Scharen und fragen sich: bekomme ich nun den Mindestlohn – oder nicht? Im vieldiskutierten Mindestlohn-Gesetzesentwurf tauchen sie nirgends auf. Wie auch, wenn dieses Beschäftigungsverhältnis auch zuvor nicht weiter definiert wurde? Bist du selbst Trainee und bekommst bislang keinen Mindestlohn, gibt es daher leider nur eine Option: Die individuelle Prüfung deines Arbeitsverhältnisses.

What you see, is what you get – not!

In dieser Prüfung muss nun also geschaut werden, um was für ein Arbeitsverhältnis es sich überhaupt handelt. Der Titel deines Arbeitsvertrags tut dabei überhaupt nichts zur Sache. Es geht vielmehr um deine konkreten Aufgaben, die Art der Eingliederung in den Betrieb – und das sowohl auf dem Papier als auch in der Praxis. Die Fragen sind hier: Wie sieht dein Arbeitstag aus? Hast du einen Betreuer? Bekommst du Einblicke in sämtliche Bereich, lernst du regelmäßig Neues, nimmst du an Schulungen teil? Wer sein Arbeitsverhältnis prüfen möchte, der sollte über einen längeren Zeitpunkt eine Art Arbeits-Tagebuch führen.
Ziel der Prüfung ist also die Zuordnung zu einem definierten Arbeits- oder Beschäftigungsverhältnis. Dein Arbeitsverhältnis könnte also als Praktikum definiert werden. Um das zu erklären, ziehen wir einfach mal die Definition des Praktikumsverhältnisses heran.

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Die Chancen, zumindest den Mindestlohn zu bekommen, stehen also gar nicht schlecht, gerade in der Hinsicht, dass es sich bei Trainees fast ausschließlich um Hochschulabsolventen handelt. Immerhin haben Praktikanten mit Hochschulabschluss ohne Einschränkung das Recht auf Mindestlohn.
Unternehmen, die Trainees nicht den Mindestlohn zahlen, gehen damit ein vergleichsweise großes Risiko ein. Denn genauso wie ein Golf nicht schneller fahren wird, weil man ihn Ferrari nennt, verliert der Praktikant nicht den Anspruch auf Mindestlohn, nur weil man ihn als Trainee bezeichnet. Kommt bei der Prüfung heraus, dass es sich nicht um ein Praktikum, sondern sogar um ein Normalarbeitsverhältnis handelt, dann könnte sogar der Mindestlohn noch zu niedrig sein und dir steht der branchenübliche Lohn zu.

Theorie und Praxis

Soweit die Rechtslage. Problematisch bleibt, dass du es als Trainee schwer hast, dein vermeintliches Recht auch durchzusetzen, da die individuelle Prüfung vom Arbeitsgericht bislang die einzige Möglichkeit ist, sofern dein Arbeitgeber sich nach einem persönlichen Gespräch quer stellt. Und bei der Prüfung können durchaus noch weitere Faktoren eine Rolle spielen, wie deine berufliche und schulische Vorbildung oder die Dauer deines Traineeprogrammes. Für dich ist dieser Schritt also mit viel Überwindung und einem gewissen Risiko verbunden.

Solange den Trainees also kein konkretes Recht auf Mindestlohn bestätigt wird, herrscht weiterhin Unsicherheit. Und für eine Einbeziehung von Trainees in das Mindestlohngesetz, müsste zunächst das Arbeitsverhältnis Trainee an sich arbeitsrechtlich definiert werden.
Solange dies nicht geschieht, sind sogar der Kontrollinstanz, der Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung, die Hände gebunden. Wir haben mit einem ihrer Mitarbeiter darüber gesprochen, wie die FKS den Unternehmen auf den Zahn fühlt und die Einhaltung des Mindestlohngesetzes überwacht wird.

Das komplette Interview mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung könnt ihr morgen bei uns im Blog lesen.

Lies auch Teil 1 der Mindestlohnreihe mit allen wichtigen Fakten und Regelungen zum Mindestlohn.

Autorin: Sabine Zagar

Bildquelle: Reddiplomat/Thinkstock

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