Was Bewerbungen angeht, so wurde vielen von uns in der Schule beigebracht, nicht „Out of the Box” zu denken und bei Schema F zu bleiben. Blöd natürlich, wenn das alle machen und man bei der Flut von Bewerbungen in der Masse untergeht. Warum also nicht einfach mal eine kreative Bewerbung erstellen? Die folgenden Bewerber haben es nicht nur geschafft, ihren Traumjob zu ergattern, sondern wurden mit ihren kreativen Bewerbungen auch ganz nebenbei zu Online-Berühmtheiten. Denn all ihre Bewerbungen schafften es, die Web Community durch Witz und Kreativität zu begeistern.

Interaktive Bewerbungen – spielend zum Traumjob

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Ein Lebenslauf, den man nicht lesen, sondern spielen muss! Dahinter kann natürlich nur ein Web Designer stecken. Der New Yorker Robby Leonardi versuchte mit Erfolg, sich von der harten Konkurrenz abzugrenzen. In Super-Mario-Manier durchläuft man die vier Levels des Lebenslaufs – und die haben es in sich. In Level eins geht’s noch vergleichsweise entspannt zu. Man steuert den Super-Robby durch seine Heimatstadt New York und bekommt hierbei einen Überblick über seine allgemeinen Daten. Damit es nicht langweilig wird, gibt es sogar einen Zwischenstopp bei einem NBA-Spiel. In Level zwei geht es in die Unterwasserwelt: Dort gibt es seine technischen Fähigkeiten, aufbereitet als Schildkröten, Krebse und Fische, zu bewundern. In Level drei, einem comichaften Industriehafen, erfährt man alles über seine bisherigen Arbeitsstationen, ehe es in Level vier hoch in die Lüfte geht. Auf einer eindrucksvollen Ballonfahrt sieht man alle Preise, die er bereits abstauben konnte. Wer jetzt selbst spielen möchte, bekommt hier die Gelegenheit!

Screenshot Applicant

Eine andere interaktive Bewerbung, ist die des Videospielentwicklers Marius Fietzek. Dieser hat sich beim amerikanischen Entwicklerstudio Double Fine, das vor allem für seine großartigen Adventure bekannt ist, für ein Praktikum beworben. Dies tat er natürlich nicht auf normale Weise, sondern indem er ein Point & Click-Adventure im Stile von „Monkey Island“ kreiert hat. Im Spiel „The Applicant” muss der Spieler aus Chefperspektive ein Vorstellungsgespräch mit Marius Fietzek führen. Der typische Humor eines Point & Click-Adventures kommt dabei natürlich nicht zu kurz, was der Bewerbung ihren besonderen Charme verleiht. Natürlich bekam er dadurch nicht nur viel Aufmerksamkeit im Internet, sondern wurde auch eingestellt, was er auch auf grandiose Weise zu verkünden wusste.

Videobewerbung – mit YouTube zum neuen Job

Die Bewerbung via YouTube ist in den USA längst ein Trend und greift auch hierzulande immer mehr um sich. Dieser Trend ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, weil eine YouTube-Bewerbung in Deutschland durchaus noch als exotisch bezeichnet werden kann. Daher empfiehlt sich diese Bewerbungsform am ehesten für kreative Branchen oder Unternehmen, die zudem Internet- und Social Media-affin sind. Sie eignet sich zum Beispiel für Bewerbungen um Praktika vor oder hinter der Kamera oder für den Bereich Marketing und PR. Eine Videobewerbung macht allerdings nicht weniger Arbeit als die Erstellung von Anschreiben und Lebenslauf (davon mal abgesehen, dass diese in der Regel eh nachgereicht werden müssen). Vor allem die Qualität des Videos ist hier entscheidend. Es steckt also richtig viel Aufwand in einer solchen YouTube-Bewerbung, aber der kann sich durchaus lohnen.

Selbstmarketing – employ Adam und Google Adwords

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Was macht man, wenn man jung und arbeitslos ist und noch genau 500 Pfund zum Überleben hat? Genau: Man mietet eine Plakatwand. So hat es der Brite Adam gemacht! Mitten in der Londoner Innenstadt platzierte er den auffälligen Jobaufruf: „I spent my last 500 Pounds on this Billboard – please give me a job“. Mit dabei war ein Verweis auf seine eigens erstellte Website „employadam.com“. Es hat sich gelohnt, über 60 Jobangebote konnte Adam abstauben. Nun arbeitet er in seinem Traumjob und macht – wie soll es auch anders sein – virales Marketing.

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Es geht aber auch mit weniger! Der nächste kreative Bewerber hat sein Ziel mit läppischen 6 Dollar erreicht. Hierfür nutzte er Google Adwords, also Googles hauseigenes Werbesystem. Mithilfe dieses Dienstes kann man innerhalb Googles Werbeanzeigen schalten, die auftauchen, wenn der Suchende bestimmte Suchanfragen (Keywords) eingibt. Genau das machte sich Alex Brownstein zunutze. Er suchte einen Job bei einer Werbeagentur und schaltete Google Ads auf die Namen der Kreativdirektoren seiner fünf bevorzugten Agenturen. Der Plan: Sobald einer der fünf den eigenen Namen googelt, soll eine witzige Anzeige erscheinen. Er musste nicht lange warten. Vier Vorstellungsgespräche und zwei Jobs bekam er letztendlich angeboten.

Die Absage der Absage

Wer kennt das nicht: Man gibt sich die größte Mühe bei seiner Bewerbung, wartet danach wochenlang auf eine Antwort und am Ende ist wieder nur eine Absage im Briefkasten. Eine kreative Bewerberin wollte sich genau das nicht länger gefallen lassen und verfasste eine „Absage der Absage“. Mit den einleitenden Worten „(…) Nachdem ich sorgfältig über Ihre Absage auf meine Bewerbung nachgedacht habe, bin ich leider zu dem Entschluss gekommen, Ihre Absage nicht akzeptieren zu können. (…)“  kündigt sie kurzerhand ihre zukünftige Mitarbeit an. Ganz ernst gemeint war der Brief wohl kaum, in sozialen Netzwerken sorgte er dennoch für Unterhaltung.

Kreative Darstellung – die Amazon- und Pinterest Bewerbung

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Kapitalismus hin oder her– der Franzose Philippe Dubost hat kurzerhand seine Arbeitskraft als Ware angeboten, indem er seinem Lebenslauf einen Amazon-Look verpasste. Anstelle der neuen „Homeland“-Staffel, konnte man sein Bild bewundern. Generell bewies Philippe bei der Gestaltung der Seite viel Liebe zum Detail, so wurden beispielsweise die Kundenrezensionen durch seine bisherigen Arbeitsstationen und Beurteilungen ehemaliger Arbeitgeber ersetzt. So viel Kreativität zahlt sich aus: Philippes Amazon-Lebenslauf hat über 1,5 Millionen Besucher angelockt und einen „Käufer“ fand er natürlich auch.

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Wie würdest du dich um einen Job bei der Online Plattform Pinterest bewerben?  Jeanne wählte einen Weg, der so naheliegend war, den dennoch noch niemand anders gegangen ist. Sie stylte ihr komplettes Pinterest Profil als Bewerbung. Verschiedene Kategorien wie Experience, Passion und Rockstar Skills hinterlegte sie mit Bildern, die zeigen sollen, dass sie perfekt für einen Job bei Pinterest geeignet ist. Ob sie den Job auch bekam, ist leider nicht bekannt.

Lohnen sich kreative Bewerbungen also?

Ihr könnt euch also relativ frei austoben: egal ob es die Gestaltung oder die Art der Bewerbung betrifft. Allerdings kann Kreativität auch eine Gratwanderung sein. Kreativität ist von Vorteil, solange man verstanden hat, was das Unternehmen erwartet und wie der Personaler “ticken könnte”. Deshalb sollte sich auf jeden Fall intensiv mit dem Unternehmen auseinandergesetzt werden. Es gibt nämlich Berufszweige und konservative

Unternehmen, denen das “Schema F” eher zusagt, als eine geballte Ladung Kreativität. Gerade dann müsst Ihr durch den schriftlichen Inhalt glänzen. Egal wie Ihr eure Bewerbung gestaltet: es ist auf jeden Fall wichtig, dass Ihr professionell und authentisch seid.

 

Bildquelle Titelbild: http://www.adampacitti.com/employadam.html

Bildquelle Screenshot Robby Leonardi: http://www.rleonardi.com/interactive-resume/

Bildquelle Screenshot Rick Rocket: http://rickrocket.de/df/

Bildquelle Screenshot Employ Adam: http://www.adampacitti.com/employadam.html

Bildquelle Screenshot Google Werbeanzeige: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=7FRwCs99DWg

Bildquelle Screenshot Amazon-Bewerbung: phildub.com

Bildquelle Screenshot Pinterest-Bewerbung: via Pinterest

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