„Sechs, setzen!“, so tönte es noch damals im Unterricht. Die guten alten Schulnoten hat jeder verstanden. Wer aber Praktika absolviert, der setzt sich mit ausformulierten Zeugnissen auseinander, bei denen selbst der Deutschlehrer noch sehr viel Interpretationsspielraum sieht. Wenn trotz eines wunderbar scheinenden Praktikumszeugnisses später nur Absagen im Briefkasten landen, dann muss da was nicht stimmen. In der Tat kommunizieren Personalchefs auf ganz geheime Weise miteinander. Um nicht auf die Nase zu fallen, musst du daher zwischen den Zeilen lesen. Wir sagen dir, worauf musst du bei deinem Zeugnis achten, bevor du es deinem künftigen Chef auf den Schreibtisch legst.

Die verschlüsselte Botschaft für den nächsten Vorgesetzten – Geheimsprache richtig deuten

Es ist gesetzlich verboten, negative Aussagen über den Praktikanten in sein Zeugnis zu schreiben. Wenn du aber nur rumsitzt und Browserspiele zockst, dann kannst du dich jetzt nicht entspannt zurücklehnen. Die Personaler werden dich dennoch gerecht beurteilen. Sie haben ihren Weg gefunden, deine zukünftigen Arbeitgeber zu warnen und dafür geheime Formulierungen entwickelt. Die sehen zwar auf den ersten Blick positiv aus, lassen aber bei genauerer Betrachtung den Ersteindruck wieder in sich zusammen fallen. Schauen wir uns einfach mal ein paar dieser Formulierungen an.

„Sie trug jeden Tag eine saubere Hose“

Wenn du dich um die „gestellten Ziele bemüht“ hast, ist das als hättest du beim 100 Meter-Lauf die Ziellinie nie überquert. Wenn der Personaler in großen Tönen deine Pünktlichkeit erwähnt, dann ist das kein Lob, sondern pure Verzweiflung. Irgendwas Gutes musste er ja schreiben. Aber Selbstverständlichkeiten sind nur die Notbremse. Schließlich will auch niemand lesen: „Sie trug jeden Tag eine saubere Hose“. Essentiell für den nächsten Personalchef sind dagegen besondere Erfolge und Projekte, die du in Angriff genommen hast und die etwas über deine Qualifikation aussagen. „Aufgaben, die ihm übertragen wurden“ bedeutet, dass du alles andere als selbstständig warst. Passive Verben sollten daher generell nicht vorkommen. Aktive Verben dagegen sprechen für dich. Auch Verneinungen sind fehl am Platz. Wenn du „nicht unordentlich“ warst, dann war dein Arbeitsplatz genauso wenig blitzeblank. Es sollte lieber heißen, dass du durch eine „gewissenhafte und ordentliche Arbeitsweise überzeugen“ konntest.

Time to say good-bye

Besonders die Abschieds- und Grußformeln können für den nächsten Personaler ein Wink mit dem Zaunpfahl sein. Das Nonplusultra ist: „Wir danken für seinen hervorragenden Arbeitseinsatz und würden uns freuen, ihn wieder in unserem Betrieb begrüßen zu dürfen. Dennoch wünschen wir ihm alles Gute für die Zukunft“. Wer nicht vermisst wird, der hat auch nichts geleistet.

Gut, Guter, am Gutesten

Und last but not least: die ST-Form von Wörtern ist beim Lob besonders wichtig. „Zur vollSTen Zufriedenheit“ gibt es eigentlich nicht, bedeutet aber, dass man die Erwartungen wirklich erfüllt hat. Wenn wir die Steigerungsformen der Zufriedenheit grammatikalisch ordnen würden, wäre das von grottenschlecht bis vorbildlich:

  • Mangelhaft – hat sich bemüht, uns zufrieden zu stellen
  • Ausreichend – zu unserer Zufriedenheit
  • Befriedigend – zu unserer vollen Zufriedenheit
  • Gut – stets zu unserer vollen Zufriedenheit
  • Sehr gut – stets zu unserer vollsten Zufriedenheit

Es kommt nicht nur auf innere Werte an…

… auch die Formalien müssen stimmen. In ein Praktikumszeugnis auf Firmenpapier gehören das Ausstellungsdatum, Name des Unternehmens, Standardformeln (Gruß und Dank), der genaue Zeitraum deines Praktikums, eine Unterschrift oder ein Stempel und KEINE Rechtschreibfehler. Generell sollten im ersten Teil deine Praktikumstätigkeiten genannt werden, dann folgt deine Beurteilung. Kontrolliere, dass die Daten mit denen aus deinem Lebenslauf übereinstimmen. Somit vermeidest du späteren Ärger. Alles andere wirkt sonst peinlich unordentlich.

„Veni, vidi, vici – Ich kam, sah, siegte!“

Manchmal kann es auch anders kommen. Da fragt man höflich nach seinem Praktikumszeugnis und bekommt als Antwort: „Schreiben Sie sich erst mal selber eins!“. Uff. Das ist in der Tat gar nicht so leicht, man ist ja kein Mann vom Fach. Aber keine Sorge, schließlich kennst du deine Arbeitserfolge am besten und erwähnst so vielleicht Sachen, die dem Personaler nie eingefallen wären. Hier also ein paar Tipps für angehende Zeugnisautoren. Ein Standardzeugnis ist genauso ein No-Go wie eine Standardbewerbung. Die wichtigste Regel jedoch lautet: Schreib es so, dass keiner merkt, dass du es selber warst. Verliere dich also nicht im Selbstlob. Kein Personaler benutzt Wörter, die kaum zu toppen sind wie etwa „überragend“. Gleichzeitig solltest du auch nicht den König der Bescheidenheit spielen, sonst könnten die Formulierungen negativ interpretiert werden. Was du geleistet hast, das muss auch rechtmäßig erwähnt werden. Mach dich also nicht unnötig schlecht und nimm als Orientierung unsere ST-Übersetzungshilfe in Anspruch. Als Sahnehäubchen deines Zeugnisses erwähnst du deine Erfolge erst am Schluss. Versuche immer erst objektiv zu bleiben, dann kannst du Subjektives folgen lassen.

Wenn’s mal wieder länger dauert, schnapp dir kein Snickers

Egal wie lange dein Praktikum dauert – du hast auf alle Fälle einen rechtlichen Anspruch auf ein Praktikumszeugnis. Dieser Anspruch gilt ab Vertragsende ein Jahr lang. Am besten erinnerst du deinen Betreuer zum Praktikumsende an dein Zeugnis. So geht es nicht im Alltagsstress unter und man muss deine Leistungen nicht nochmal aus dem Archiv kramen. Als Praktikant hast du übrigens die so genannte Holschuld. Das bedeutet, dass du dir dein Zeugnis persönlich abholen musst. Ausnahmen gibt es, wenn das Praktikum weit entfernt war, etwa im Ausland oder der Arbeitgeber mit dem Zeugnis eh schon im Verzug war. Ansonsten gibt es keine Vorgabe, wie lange sich dein Vorgesetzter Zeit lassen darf. Wenn’s mal wieder länger dauert, ruf einfach ganz höflich an und erkundige dich nochmal.

Einspruch, Euer Ehren!

Solltest du formelle Mängel festgestellt haben, beispielsweise die Angabe eines falschen Zeitraums, dann spreche das am besten mit der Personalabteilung ab. Solche Fehler lassen sich meist schnell beseitigen. Wenn du aber mit Formulierungen nicht einverstanden bist, kann es etwas kniffliger werden. Auch hier solltest du das persönliche Gespräch suchen. Eventuell ist sogar ein Experte aus der Abteilung Arbeitsrecht gefragt. Denn natürlich muss eine Firma einen Faulpelz nicht als gut beurteilen, einige Formulierungen sind aber schlicht und ergreifend unzulässig. Formulierungen wie „gesundes Selbstvertrauen“ und „sie delegierte ihre Aufgaben gekonnt“ beispielsweise, stehen auf der Roten Liste. Solltest du mit deiner Beurteilung unzufrieden sein, gilt im gerichtlichen Streitfall Folgendes: Sollte das Praktikum vom Arbeitgeber schlechter als mit 3 bewertet worden sein, hat er die Pflicht, Argumente zu bringen. Solltest du dich deutlich besser einschätzen als 3, dann musst du die Beweise liefern.

Autor: Mathias Tertilt

Bildquelle: ferlistockphoto/Thinkstock

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