Bald ist Halloween – Die Nacht des Grauens, und kostümierte Teufel und andere Horrorgestalten treiben ihr Unwesen. Zum gruseligsten aller Feste geht es auch heute bei uns im Blog schaurig zu, Bis das Blut gefriert. Wir möchten euch nämlich einen Praktikumsbericht zeigen, der vor einer Weile bei uns eintrudelte. Aus Angst davor, unsere User könnten nach Lektüre von schlimmsten Albträumen geplagt werden, haben wir ihn nie veröffentlicht. Doch heute, zur Nacht vor Allerheiligen, holen wir sie doch einmal aus ihrem Grabe. Und wir versichern euch: Alles hat sich genauso zugetragen, wie es beschrieben ist. Wer keine starken Nerven hat, sollte aber lieber nicht weiterlesen. Sagt hinterher nicht, wir hätten euch nicht gewarnt…

Liebes meinpraktikum.de-Team,

im vorigen Herbst hatte ich beschlossen, ein Praktikum in einem Hotel zu absolvieren. Ich hatte bereits im Sommer als Praktikant in einem großen Hotel in Berlin gearbeitet. Nun wollte ich aber die Arbeit und den Alltag in einem kleineren, familiär geführten und abgelegenen Gasthaus kennenlernen – träumte ich doch heimlich davon, irgendwann selbst einmal eine solche Herberge zu leiten. Nachdem ich mich eine Weile nach einem passenden Hotel umgesehen hatte, bewarb ich mich schließlich beim so urig wie gemütlich wirkenden „Hotel Transsilvanien“ in dem kleinen Dörfchen Sleepy Hollow.

Tatsächlich bekam ich schon bald die erfreuliche Antwort, ich solle mich doch 28 Days Later, am Abend des 31. Oktobers, zu einem Vorstellungsgespräch dort einfinden. Es war also an Halloween, als ich mit dem Zug in dem verschlafenen Örtchen ankam. Die müde Oktobersonne hatte sich bereits weit hinter die bewaldeten Hügel zurückgezogen, zwischen denen das Dorf eingebettet lag, und in den Gassen von Sleepy Hollow war der Tanz der Teufel und kostümierten Gespenster bereits im vollen Gange. Auf dem Weg zum Hotel flanierte ich durch das mit Kürbissen, Heuwagen und Vogelscheuchen geschmückte Örtchen und erfreute mich an den vielen verkleideten Kindern, die in Masken und Fratzen umherzogen und mit fröhlichen „Trick ‘r Treat“-Rufen nach Schokolade und Karamellbonbons verlangten.

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Bald aber verließ ich die belebten Plätze und erreichte am Rand des Dorfes jene Kreuzung, von welcher der Pfad abzweigte, der mich direkt zu dem Hotel führen sollte. Ein schweres, metallenes Gitter, an dem ein Schild mit dem Namen des Hotels knatschend neben einer Klingel schaukelte, versperrte mir den weiteren Weg. Durch die Stäbe des Gitters sah ich, wie sich der Pfad seinen Weg durch ein dichtes Gewirr aus mächtigen Bäumen bahnte und bald darauf in der Dunkelheit verschwand. In einiger Entfernung konnte ich zwischen den Wipfeln, die nahtlos mit dem mittlerweile pechschwarzen Himmel verschmolzen waren, das einladende Licht aus einigen Hotelfenstern durchschimmern sehen.

Ich wollte gerade die Klingel betätigen, als ich urplötzlich einen älteren Herrn neben mir bemerkte, der mich skeptisch beäugte. Er stand in gebückter Haltung auf einen Spazierstock gelehnt und atmete schwer, als hätte er gerade eine mühsame Wanderung hinter sich. „Willst du zum Hotel?“, fragte er mich mit einer Stimme, die so knarzend klang wie eine alte Tür, die langsam aufgestoßen wird. „Ja“, antwortete ich höflich, „ich habe dort gleich einen Termin mit einem Herrn Usher. Es geht um ein Vorstellungsgespräch für ein Praktikum.“ Der ältere Herr blickte mich prüfend an, während er augenscheinlich darüber nachdachte, was wohl von mir zu halten sei. „Ist das so, ja?“ fragte er schließlich. „Nun gut, das Vorstellungsgespräch kann sogleich beginnen. Der Herr Usher, das bin nämlich ich, und das Hotel Transsilvanien gehört mir. Gehen wir ein Stück zusammen.“

Er kramte einen massiven Schlüssel aus seiner Jackentasche und schloss das Tor auf. Dann liefen wir die ersten Meter schweigend nebeneinander her. Für Herrn Usher schien jeder Schritt ein Kraftakt zu sein, und so kamen wir nur sehr langsam voran. Der Pfad machte bald eine Biegung und führte im Zickzack durch das dichte Baumlabyrinth, das das Hotel umgab. Ich konnte in der Dunkelheit kaum etwas sehen, und auch Herr Usher war für mich nur ein verschwommener Schatten zu meiner Rechten. Doch der ältere Herr bewegte sich so sicheren Fußes, er hätte diesen Weg wohl auch vollkommen blind gehen können.

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„Du glaubst also, dass du geeignet bist, hier eine Weile zu arbeiten, hm?“ fragte er schließlich. „Nun ja“, antwortete ich, „ich habe bereits im Sommer in einem Hotel gearbeitet, und das hat mir ziemlichen Spaß gemacht.“ „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“, garstete Herr Usher mich an, „das stand ja schließlich in deiner Bewerbung.“ Dann blieb er stehen, schob seinen Kopf näher zu mir heran, und seine Stimme wurde geheimnisvoll: „Aber zur Arbeit im Hotel Transsilvanien gehört mehr, als nur freundlich zu lächeln oder den Gästen beim Einchecken zu helfen. Weißt du“ – jetzt flüsterte er fast – „hier geht es manchmal nicht mit rechten Dingen zu. Einige Leute behaupten sogar, dass es …spukt.“ Bei dem letzten Wort hatte er seine müden Augen weit aufgerissen, und er kam mir so nahe, dass ich seine Nasenspitze berührt hätte, hätte ich meine Zunge herausgestreckt.

Ich suchte sein Gesicht nach einem Hinweis ab, ob das nun ein Spaß oder sein völliger Ernst war, aber ich fand nur seinen abwartenden Blick, der auf eine Reaktion von mir lauerte. Weil mir im Augenblick nichts Gescheiteres einfiel, fragte ich bloß: „Und was denken Sie darüber?“ Herr Usher zog seinen Kopf von mir ab und marschierte weiter, während er antwortete. „Nun, ich glaube schon, dass es so etwas wie The Sixth Sense gibt, eine Art Shining. Und wie jedes kleine Dorf im Schwarzwald hat auch Sleepy Hollow ein paar Düstere Legenden. Gerade zu einer Zeit wie dieser, in der Nacht vor Allerheiligen, So finster die Nacht, so dicht der Nebel, da ist ganz sicher so mancher Poltergeist unterwegs.“ Nachdem er dies gesprochen hatte, versank er für kurze Zeit tief in seinen eigenen Gedanken. Fast hatte ich das Gefühl, er vergaß sogar ganz, dass ich neben ihm wanderte. Doch dann wandte er sich wieder mir zu und sagte mit müder Stimme: „Aber das muss ja nicht immer gleich Im Auftrag des Teufels geschehen. Ich glaube, so manche arme Seele findet einfach keine Ruhe und wandelt deswegen noch immer rastlos umher.“

Ich muss gestehen, dass Herr Ushers Erzählung nicht wenig Eindruck auf mich machte. Um uns herum befand sich nichts als Dunkelheit, und Der Nebel war am Boden heraufgezogen und hatte unsere Füße verschluckt. Dazu der Ernst in seiner Stimme und eine versteckte Traurigkeit in seinem Blick, die ich nicht näher ergründen konnte – da lief mir schon ein leichter Schauer über den Rücken. „Mit Gespenstern werde ich schon klarkommen“, versuchte ich dennoch tapfer zu antworten. Aber ich merkte, wie ich mich fortan bei jedem Laut, der von den Bäumen zu mir drang, ängstlich umblickte, in Erwartung eines unheimlichen Nachtmahres, der sich plötzlich auf mich stürzte. Insofern war ich froh, als wir den finsteren Part endlich hinter uns ließen und der Pfad auf eine weite Wiese hinausführte, an deren Ende freundlich beleuchtet das Hotel stand. Es sah aus wie auf den Bildern, die ich im Internet gesehen hatte. Ein hübsches, zweistöckiges Fachwerkhäuschen mit schweren Läden vor den Fenstern.

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Wir gingen den Rest des Weges in Schweigen. Vor der Eingangstür blieben wir stehen, und Herr Usher seufzte sehnsuchtsvoll, während er sein Gasthaus betrachtete. „Nun denn“, sagte er dann, „du scheinst ein netter Kerl zu sein. Von mir aus kannst du das Praktikum haben. Gespenster scheinen dir ja wirklich keine Angst zu machen.“ Ich strahlte Herrn Usher glücklich an, aber sein Blick war immer noch von dieser unerklärlichen Traurigkeit durchzogen, als laste irgendein dunkler Gedanke schwer auf ihm. „Geh doch schon mal hinein und melde dich an der Rezeption“, sagte er, „ich muss noch kurz in den Geräteschuppen, einen Hammer holen. Ich bin gleich wieder bei dir.“

Damit ließ er mich stehen und folgte einem schmalen Kiesweg, der von der Eingangstür hinter das Hotel führte. Ich betrat das Gasthaus. Es war von innen so wohnlich, wie die äußere Fassade es versprach. Ein dicker, roter Teppich lag auf dem Fußboden, die Wände waren mit Holz und dicken Stofftapeten verkleidet, während im Kamin ein prächtiges Feuer vor sich hin loderte. Am Empfang stand eine junge Frau und lächelte mir freundlich zu. Ich stellte mich ihr vor und erklärte, warum ich hier sei. „Schön, dass du hergefunden hast“, sagte die Rezeptionistin, „Herr Usher wird sicher gleich für dich da sein. Er ist im Augenblick noch in einer Besprechung.“ „Ich habe Herrn Usher schon kennengelernt“, bemerkte ich, „wir sind zusammen vom Tor hierher gelaufen.“ Die junge Frau schaute mich überrascht an: „Ach wirklich? Wann denn?“ „Na, gerade eben.“ „Da musst du dich irren“, sagte die Rezeptionistin, „Herr Usher ist seit einer halben Stunde in unserem Konferenzraum.“

Ich schaute verdutzt drein und überlegte eben, ob ich gerade das Opfer eines Streiches wurde oder ob dort draußen vielleicht sogar ein Psycho unterwegs war, als mein Blick auf eine Schwarzweißfotografie an der Wand hinter der Rezeptionistin fiel. Darauf war Herr Usher zu sehen, wie er hinter eben diesem Pult stand und angestrengt in die Kamera lächelte. „Der Herr dort“, sagte ich und deutete mit dem Finger auf das Bild, „mit ihm bin ich hergekommen. Er meinte, er wäre Herr Usher, und ihm gehöre dieses Hotel.“ Die Rezeptionistin schaute erst zu dem Bild, und dann warf sie mir einen bösartigen Blick entgegen. „Solche Scherze solltest du dir lieber verkneifen, wenn du gleich mit Herrn Usher sprichst“, fauchte sie mich an. Ich schaute sie überrascht an und sagte, dass ich nicht verstand, was ich mir grad Verwerfliches habe zu Schulden kommen lassen. „Der Herr dort auf dem Bild ist Herr Roderick Usher, der Vater von dem jetzigen Besitzer“, klärte sie mich auf. „Er ist heute vor genau drei Jahren verstorben, und sein Sohn hat das Hotel von ihm übernommen. Der Untergang des Hauses Usher wäre fast die Folge davon gewesen!“

Ich mochte kaum glauben, was sie mir erzählte. „Was für ‘ne Misery….“, dachte ich mir und beteuerte, dass es wirklich nicht in meiner Absicht gelegen hatte, mir einen bösen, makabren Scherz zu erlauben. Ich erzählte der Rezeptionistin, ich hätte mich sicherlich geirrt oder verhört. Offenbar glaubte sie mir das, denn sie nickte kurz und wurde dann wieder freundlicher. Zu guter Letzt riet sie mir noch, nicht näher auf den Geräteschuppen einzugehen, falls Herr Usher mich später herumführen würde. „Denn dort war es“, sagte die junge Frau, „wo man seinen Vater damals gefunden hat. Er wollte nur sein Werkzeug holen, doch als er nicht wiederkam, fand man ihn dort leblos und mit schreckgeweitetem Blick. Bis heute weiß niemand, was ihm den Tod gebracht hat. Doch in manchen Nächten kann man aus dem alten Schuppen ein leises Hämmern hören…“

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Nun, genauso hat es sich zugetragen. Seltsam? Aber so steht es geschrieben…Für die Mutigsten unter euch gibt es jetzt sogar etwas zu gewinnen. Wer uns sagen kann, wie viele Gruselfilmtitel in diesem fingernägelverzehrenden Blogbeitrag versteckt sind, kann jetzt einen 25 Euro-Gutschein von Amazon absahnen. Der Film “Es” zählt übrigens nicht 😉 Postet die richtige Zahl einfach unter unser Facebook-Update. Freitag der 13., pardon, der 31., wird der Gewinner dann von uns verkündet.

Das ganze Team von meinpraktikum.de wünscht euch viel Glück und ein schaurig-schönes Halloween!

Autor: Björn Remiszewski

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