Besser kann‘s im Praktikum kaum laufen: Das Team ist supernett, man ist gleich per Du mit den Kollegen und nach Feierabend wird zusammen auch mal ein Bier getrunken. Schnell werden aus Kollegen Kumpels, aus lockeren Plaudereien im Büro werden ernsthaftere Gespräche über Sorgen und Wünsche. Und zack! – vermischen sich Privates und Berufliches. Das kann ziemlich cool sein, wer würde nicht gerne mit seinem Buddy zusammenarbeiten? Das kann aber genauso in die Hose gehen, wenn du selbst oder die Kollegen sich unwohl mit too much information fühlen und es lieber professionell-distanziert bevorzugen. Und wie sieht es eigentlich mit dem Respekt aus, wenn Vorgesetzte zu Freunden werden? Oder Freunde zu Vorgesetzten? Im heutigen Blog widmen wir uns daher mal den Tücken, die lauern, wenn sich Privates und Berufliches vermischen.

BFFs forever? Auf jeden Fall nicht BFFs right from the start

Die ersten Tage im neuen Unternehmen wird sich erst einmal ordentlich mit den Kollegen beschnuppert. Wie sind die Leute drauf, wie kommt man selber an? Prinzipiell ist es immer eine gute Sache, offen und herzlich zu sein. Man soll ja schließlich man selbst sein. Allerdings ist es manchmal ein schmaler Grad zwischen offen und zu offen. Hobbies, Studium, Musikgeschmack – alles erlaubt. Aber Streit mit dem Partner? Vollrausch am Wochenende? Geldsorgen? Nope! Das sind zwar nachvollziehbare Uppers and Downers, die dir vielleicht permanent im Kopf herumschwirren, aber: Solche intimen Dinge haben im Praktikum nichts verloren. Zumindest solange nicht, bis du weißt, wie die Leute dort wirklich ticken.

Es gibt extrovertierte oder sehr emotionale Persönlichkeiten, die auch am Arbeitsplatz Vertraute brauchen. Sei am Anfang einfach vorsichtig damit. Auch wenn du mit einem neuen Kollegen super auskommst, ist er deswegen nicht automatisch dein neuer bester Freund. Vielleicht möchte er das sein, vielleicht wird er das auch. Vielleicht will er aber bloß ein netter Kollege sein und fühlt sich unwohl, wenn du ihm zu Intimes anvertraust.

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Nicht immer eitel Sonnenschein

Natürlich bist du kein Eisklotz, und du kannst nicht immer wie der strahlende Sonnenschein herumlaufen, wenn dich etwas bedrückt. Dann ist es fast unmöglich, nicht Privates und Berufliches zu vermischen. Aber du musst die dir gestellten Aufgaben erledigen, zur Not halt mal einen Tag ohne Lied auf den Lippen. Bestenfalls lenkt dich der Job sogar ab und es tut dir gut, dich für eine Weile auf etwas anderes als deine Trübsal zu konzentrieren.
Es gibt aber auch Dinge, die sind zu groß, als dass man sie einfach so beiseiteschieben könnte. Wenn gerade deine Großmutter gestorben ist, dann darfst du das ruhig ansprechen. Oder vielleicht bleibst du lieber gleich zu Hause. Nimm dir die Zeit, um klarzukommen, wenn du weißt, dass du dich an einem Tag überhaupt nicht auf den Job konzentrieren könntest.

Du, der Freund und Helfer

Auch du als Praktikant musst nicht automatisch bester Freund oder Seelsorger sein. Du hast jedes Recht, eine gewisse Distanz zu wahren, wenn du es möchtest. Im Grunde geht es deine Kollegen nichts an, was du am Wochenende getrieben hast, ob du in einer Beziehung bist und so weiter und so fort. Es kann dich auch niemand zwingen, am regelmäßigen Feierabendbier teilzunehmen.
Aber: Gemeinsame Momente außerhalb des Unternehmens stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl, und du musst damit rechnen, verschlossen oder ungesellig zu wirken, wenn du dich permanent aus allen Aktivitäten heraushältst. Gerade im Praktikum solltest du dich an die Gepflogenheiten innerhalb der Belegschaft anpassen. Du musst ja nicht gleich deine Lebensgeschichte erzählen oder mit jedem Kollegen auf Facebook befreundet sein.

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Der Job des Lebens

Einige Kollegen neigen stark dazu, Privates und Berufliches zu vermischen, indem sie meinen, dir als Praktikant Weisheiten und Tipps für alle Lebenslagen mitgeben zu müssen. Hier darfst du höflich, aber bestimmt eine Grenze ziehen. Im Beruf hast du sicher noch viel zu lernen, dafür machst du schließlich das Praktikum. Das bedeutet aber nicht, dass du in anderer Hinsicht nicht schon gereift bist. Um es in Kalenderspruchsprache zu sagen: Im Job des Lebens arbeitest du schon sehr lange. Du hast ein Studium gerockt, diverse Krisen gemeistert oder hältst deinen eigenen Haushalt am Laufen – es gibt also keinen Grund, dich wie ein unmündiges Kleinkind zu behandeln.

Best Buddies am Arbeitsplatz

Und wenn du nun einen Freund für’s Leben im Praktikum gefunden hast, mit dem du über alles quatschen und jeden Blödsinn machen kannst? Vor allem wirst du mit noch mehr Freude zum Arbeitsplatz tingeln, und der Job wird noch leichter von der Hand gehen. Nur eure Arbeitsleistung darf nicht darunter leiden. Rumalbern ja – nachlassen nein. Achtet also darauf, dass ihr euch gegenseitig nicht zu sehr von euren Aufgaben ablenkt und den anderen Kollegen mit euren Insidern nicht ganz so arg auf den Keks geht 😉

Mein Freund, der Chef

Stell dir mal vor, dein bester Freund oder die beste Freundin wäre plötzlich dein Chef, und der Typ, den du abends bei FIFA abzockst, oder die Dame, mit der du so herrlich über Heidi Klumm ablästerst, kommandieren dich tagsüber herum. Ähnlich läuft es, wenn du dich mit einem Vorgesetzten anfreundest. Und als Praktikant ist quasi jeder Kollege dein Vorgesetzter. Dann heißt es erst recht, bloß nicht Privates und Berufliches zu vermischen. Hier helfen klare Absprachen: „Nach Feierabend bin ich dein Kumpel. Aber bis dahin bin ich in erster Linie dein Vorgesetzter, und so müssen wir auch miteinander umgehen.“ Nicht nur, damit du keine Sonderbehandlung erhältst, sondern auch, damit du keine Probleme damit hast, von einem Kumpel Anweisungen zu bekommen oder kritisiert zu werden, wenn es angebracht ist. Oder sogar denkst, dich nicht mehr ganz so reinhängen zu müssen. Das gilt andersherum natürlich auch, wenn du später mal befördert werden solltest und deine Freunde plötzlich in der Unternehmenshierarchie unter dir stehen.

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Ein bisschen BFF schadet nie

Du könntest den stupidesten Fließbandjob haben – wenn du dabei Spaß mit den Kollegen hast, würdest du vermutlich trotzdem gerne jeden Tag zur Arbeit kommen. Für viele ist das Betriebsklima mindestens genauso wichtige wie die eigentlichen Aufgaben, und innerhalb einer gesunden Belegschaft passiert es immer, dass sich Privates und Berufliches vermischen. Und das ist mit das Beste, das für die Stimmung im Betrieb passieren kann. Wichtig ist nur, dass du einschätzen kannst, wie viel du wem mitteilst, wer was überhaupt hören möchte und wie du mit dieser Lockerheit unter Kollegen oder auch deinem Vorgesetzten gegenüber umgehst. Dann ist gegen ein bisschen BFF am Arbeitsplatz überhaupt nichts einzuwenden.

Autor: Björn Remiszewski

Bildquelle: http://hellogiggles.hellogiggles.netdna-cdn.com/wp-content/uploads/2014/06/30/picture-of-jd-and-turk-from-scrubs-photo.jpg

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